1833 Gemeindeteilung

 

Ob des Gestaigs – Obgestaigs – Obstaig – Obsteig

Obern Gstoag – Obstoag – Obstoager

Etymologisch ist der Gemeindename Obsteig von „ob (oberhalb) des Gesteiges“ abzuleiten. Das Gesteige (mundartlich das Gstoag), ist nach sprachhistorische Bedeutung ein steiler Anstieg zur Erreichung einer Anhöhe. (Quelle: Die Gemeindenamen Tirols – Herkunft und Bedeutung).

Atlas Tyrolensis Peter Anich 1774

Besiedelungsgeschichte

Ein hallstattzeitliches Bronzeprunkmesser und prähistorische Keramikreste, gefunden am Sassberg und bei Locherboden deuten auf eine Besiedelung schon um 1000 vor unserer Zeitrechnung hin. Verstreute Einzelhöfe waren die Grundlage der Besiedelung in Obsteig. Die Bayuwaren sollen um 800 n.Ch. friedlich über Mittenwald und Scharnitz nach Tirol auf das Seefelder und Mieminger Plateau bis in das Inntal eingewandert sein. Dies belegen die typische bairischen -ing, -hausen und -hofen Endungen in den Ortsnamen (Haiming, Mieming, Inzing, Pfaffenhofen, Oberhofen, Fronhausen, Schneggenhausen, Affenhausen).

Die Großgemeinde Miemingerberg umfasste das Gebiet von den Tannwiesen im Osten, dem Inn im Süden,  den Zugspitzgrat im Norden und dem Roßbach im Westen.  Zur Gründung des Stiftes St. Gertraud in Augsburg im Jahre 1071 erhielt dieses Güter in Ober- und Untermieming gestiftet. Diese Güter gingen 1162 in den Besitz des bayrischen Benediktinerklosters Weihenstephan über. Meinrad II. stiftete 1288 zur Gründung des Klosters Stams mehrere Höfe auf „Miembingerperg“ gelegen. Das Urbar des Stiftes Stams beinhaltet 1336 das Lerchach und Niwenstift zu Schnegkenhausen gelögen“. Die Gemeinde Miemingerberg war Teil der Herrschaft St. Petersberg. Dessen Pfleger war vom Landesfürsten bestimmt oder auch rechtlicher Eigentümer der Pflegschaft und des Schlosses und als solcher rechtlich dem „alten Landsbrauch“ verpflichtet. Weiters hatte die Herrschaft Petersberg für die Steueraufbringung in den Gemeinden Sorge zu tragen, die Wehrpflichten zu organisieren und die Gerichtsbarkeit auszuüben.

 

Warum wollten die Obsteiger die Gemeindeteilung?

Das Hauptargument war der weite Weg zur Gemeindeführung. „Es sei den Bürgern nicht zuzumuten, mehr als einen halben Arbeitstag zu versäumen“, mit einem Fußweg von mehr als zwei Stunden in jeder Richtung, wenn Besorgungen bei der Gemeinde oder beim Gemeindevorsteher in Untermieming zu tätigen waren. Weiters war eine Misswirtschaft in der Gemeindeführung Miemingerberg gerichtlich anhängig. Das Anwesen des Gemeindevorstehers von Miemingerberg wurde daraufhin versteigert und mit dem Erlös die  Fehler in der Gemeindegebarung getilgt. Schließlich hatte sich Obsteig bereits mit der Errichtung der Kirche zum „Heiligen Josef“ als  Kirchspielgemeinde und Schulgemeinde von Mieming losgesagt und selbständig gemacht. Diese Trennung von der Mutterkirche zu „Unser lieben Frau“ in Untermieming war ebenfalls Teil der Spannungen zwischen den Nachbarn.

 

1833 Gemeindeteilung Miemingerberg

Actum Silz den 26ten Juni 1833 vor dem k.k.Landrichter Anton Gapp

Actuar Hepperger

Gegenwärtige:

Von der Gemeinde Untermieming / Ausgeschossene der Pfarrgemeinde: Mathias Kraxner Vorsteher, Leopold Hirn, Josef Riß, Michael Kopp, Alois Meßmer, Joseph Spielmann, Joseph Hepperger, Jonas Hann

Von der Gemeinde Obsteig / Ausschüsse: Joseph Gaßler Vorsteher, Alois Zimmermann, Joseph Hirn

Von der Gemeinde Wildermieming: Thomas Hafele Vorsteher, Joseph Zauscher

Die hochlöbliche k.k. vereinte Hofkanzlei  hat mit Dekret vom 1. Februar 1833  N° 1885 die Auflösung der Gemeinde Miemingerberg in drei selbständige Gemeinden genehmigt, zugleich aber angeordnet, dass über die Ausführung der diesfälligen Trennung ein vollständiges, die Verteilung aller Zweige der Gemeindeverwaltung und der zu verteilenden Gegenstände umfassendes, Protokoll aufgenommen werde. Zu diesem Ende wurde auf heute Kommission angesetzt und das Resultat der diesfälligen Verhandlung wird hiemit verzeichnet wie folgt:

1.) Die bisherige Gemeinde Miemingerberg löst sich in drei selbstständige Gemeinden als  Untermieming, Wildermieming und Obsteig auf.

2.) Die Gemeinde Untermieming bestehet: Aus den einzelnen Ortschaften Barwies,  Fiecht, Fronhausen, Freundsheim, Katzenhof, Krebsbach, Lehnsteig, Mötz, Moos, Obermieming, See, Tabland , Untermieming, Zein und Zirchbichl.

Die Gemeinde Wildermieming enthält nebst Wildermieming noch Affenhausen und Gehrhard.

Die Gemeinde Obstaig umfasst die Weiler Aschland, Finsterfiecht, Gschwent, Holzleiten, Klamm, Obstaig, Thal, Wald und Weisland.

3.) Die Rustikal Steuer Schuldigkeit der ganzen Miemingerberger gegen das Gericht und die Provinz beträgt auf 3 Termine – 960 Gulden (f) 20 Kreuzer (kr) Tiroler Währung (T.W.). Es besteht aber am Miemingerberge nach heute gegebener Aufklärung das sonderbare Verhältnis, dass einige Gemeinds-Parzellen wegen bei der primitiven Steuerbereitung eingeschlichenen Unrichtigkeiten, über welche sich verglichen wurde, von der jene einmal anrepartierten 3 Terminen dieser Steuerschuldigkeit einen Betrag von 37 f 15 kr T.W. zurückbehalten können, und dass der diesfalls  ausfallende Steuerabgang von dem Ganzen der bisherigen Gemeinde Miemingerberg  ergänzt wird.

Das Steuerverhältnis der drei neuen Gemeinden besteht darin dass auf  3 Termine:

  1. Wildermiemingen – 163 f 39 ¼ kr, entrichtet und zur Ergänzung des gesagten Steuer Abganges – 6 f  21 kr, beiträgt, somit auf 3 Termine 170 f ¼  kr  W. abzuführen hat.
  2. Obsteig steuert auf 3 Termin in T.W.  192 f 47 ¾ kr, der mit Einschluss des Beitrages in den gesagten Steuer Abgang zu 7 f 28 ½.  Dagegen hat diese Gemeinde aus dem gesagten Entschädigungs- Gelde von 37 f 15 kr T.W. einen Beitrag von 13 f 15 ¼ kr zurückzubehalten.
  3. Die Gemeinde Untermiemingen steuert auf 3 Termin T.W. –  603 f 53 kr, trägt in den gesagten Steuer Abgang 23 f 25 ½  kr bei und hat somit  W.   627 f 18 ½ kr zu entrichten, dagegen aber aus dem gesagten Vergleichsfonds  zu 37 f 15 kr den Betrag von 24 f 1 ¾ kr zur Entschädigung der beteiligten Einzelnen zurückzubehalten.

4.)  Die Dominikalsteuer Schuldigkeit beträgt auf 6 Termin Wienerwährung (W.W.)

  1. in Untermieming ——123 f 52 kr
  2. in Wildermieming—— 24 f 37 kr
  3. in Obsteig ————— 33 f 04 kr

Die Bezeichnung der Erwerbssteuer wird wegen Wandelbarkeit derselben nicht nötig erachtet.

5.) Die Schuldentilgung der Gemeinde Miemingerberg ist bereits geschlossen, und somit diesfalls nichts zu bemerken.

6.) Die Gehalte der Gemeindebeamten wollen auf folgende Art reguliert werden:

Ortschaft                    Vorsteher        Kassier             Polizeidiener     Steuertreiber

Untermieming            40 f                 9 f 10 kr          41 f 40 kr        von Gulden 1/2 Kreuzer

Obsteig                       33 f 20 kr        5 f                   6  f  40 kr        von Gulden 1/2 Kreuzer

Wildermieming           25 f                 4 f                   5 f                   4 f 20 kr

7.) Rücksichtlich der Ausscheidung des Armenfonds will es bei den einmal angenommenen und bereits gut geheißenen Satze, weswegen welchem die Hälfte nach der Seelenzahl, und die andere Hälfte nach dem Steuerfuße zu verteilen kommt, belassen worden. Die wirkliche Teilung muss aber, um nicht mehrfache Rechnungen zu veranlassen, bis zum Schlusse des dermaligen Rechnungsjahres aufgeschoben werden.

8.) Die Feuerlöschspritze hat wie bisher als ein gemeinschaftliches Gut aller drei Gemeinden zu bestehen, und ist im dermaligen Aufbewahrungsorte zu Lehnsteig zu belassen. Die unmittelbare Aufsicht hat die Vorstehung von Untermieming, in derem Bezirke sie steht, zu halten und die auf die Reparation derselben, so wie auf Erhaltung der Hütte, in welcher diese Spritze steht, ergehenden Kosten sind von allen 3 Gemeinden im Verhältnisse des Rustikal Steuerfußes zu bestreiten.

9.) Der ganze Miemingerberg hat die Garantie für die Frühmeßstiftung zu Untermieming zu leisten, und den Widum des Frühmessers einzuhalten. In dieser Rücksicht nämlich in Bezug auf die Frühmeßstiftung will das  bisherige Verhältnis von allen drei neu kreierten Gemeinden auch für die Zukunft beibehalten werden.

In Hinsicht auf die Frage, ob Wildermieming und Obstaig als frühere Theile der Pfarre Untermieming nun als eigene Seelsorgs – Stationen zur Einhaltung der Kirche, des Widums und des Mesnerhauses bei der Pfarre Untermieming beizutragen verbunden sind, konnte sich nichts vereiniget werden, und wird hierüber besondere Entscheidung eingeholt werden.

Andere gemeinschaftliche Interessen können keine angegeben werden, und somit wird dieser Vorgang geschlossen, abgelesen, und zur Unterschrift vorgelegt

Gapp m/p Landrichter  — Hepperger Actuar

Mathias Kraxner Vorstand, Leopold Hirn, Joseph Riß, Michael Kopp, Alois Mößmer, Joseph Spielmann, Joseph Hepperger, Jonas Hann, Joseph Gaßler, Alois Zimmermann, Joseph Hirn, Thomas Hafele und Joseph Zauscher.

 

Gesehen k.k. Kreisamt, und wird dieser Vorgang mit Beziehung auf die anderweiten Weisungen des Kreisamts- Dekretes vom 7ten März d. Jr. und 30ten July d.Jr.  Zl. 1445 und 4752 genehmigt.

Imst den 30ten Juli 1833  —  In Abwesenheit des Kreishauptmannes – Indermauer Comihsär – Meilnacher -Sekretär.

In Fidem copia k.k. Landgericht Silz den 2ten August 1833 (Anm. Beglaubigte Abschrift).

Transkribiert von Toni Riser 2012, Kopie der Urkunde liegt im Privatarchiv Riserhof auf.  Der Text  wurde zur besseren Lesbarkeit zum Teil der heutigen Schreibweise angepasst. Das Original liegt im Privatarchiv von Klaus Rieser auf.

 

 

Historische Entwicklung des Namens von Obsteig

1288 – Der älteste Beleg des Namens Obsteig stammt aus dem Urbar (Verzeichnis der Besitzrechte) Meinrads II., welches ein „Camerlandt an dem Steige“ enthält. Etymologisch bedeutet die „Steige“ ein steiler Weg, eine steile Straße, ein steiler Pfad und ist im Begriff Steigung und Anstieg im heutigen Sprachgebrauch erhalten.

1336 –  im Urbar von Stams scheint „Daz Lerchach und Niwenstift zu Schnegkenhausen gelögen“ auf. Das heutige, zwischen den Ortstafeln liegende „Obsteig“ war damals noch als Schneggenhausen bekannt. Im Landesfürstlichen Haupturbar aus der selben Zeit erscheint die Bezeichnung ob des Gestaigs für die Besitzrechte des Landesfürsten auf den Anhöhen der heutigen Gemeinde Obsteig.

1487 –  im Waldstreit um den Simmering kommen die Nachbarn „Unter dem Gestaig in See und Tabland und jene Nachbarn Ober des Staigs“ in Wald, Vünsterfiecht und Holzleutten vor.

1632 – Im Vergleich um die Weiderechte zwischen der Ehrsamben Gemain des Mezerviertls“ und den Nachpersleithen im Viertl  Obgestaig“ scheint Thomas Gaßler als „Gastgöb zu Stifft“ auf. (Anm: Der Stiftshof kann eindeutig als der ehemalige Gasthof Löwen verortet werden.)

1733 – Im Waldaufteilungsprotokoll haben die vier Riedlen (Weiler) Obstaig, Wald, Thal und Finsterfiecht  auf dem Miemingerberg gelegen, sich in Güte und Freundschaft entschlossen, ihre miteinander genossene gemeinsame Waldung aufzuteilen. (Siehe Chronik Beitrag vom November 2020)

1802 – Nannten sich die Obsteiger schon selbst eine Gemein. Sie fassten ihren Gemeinsbeschluß über Holzverkauf, Weide und Zuzug von Personen.

1833 – Die Gemeindeteilung am Miemingerberg in die Gemeinden Untermieming, Wildermieming und Obstaig. „Die Gemeinde Obstaig umfasst die Weiler Aschland, Finsterfiecht, Gschwent, Holzleiten, Klamm, Obstaig, Thal, Wald und Weisland“.

Damit wurde Obsteig endgültig zum Gemeindenamen erhoben. Der bisherige Weiler ober dem „Gstoag“ auf Miemingerberg  war wahrscheinlich, weil dieser Weiler Obsteig  mit Kirche, Schule, Wirtshaus und Poststation an der Landstraße gelegen, zum Zentrum der Kirchspielgemeinde geworden war. Die Gemeindeteilung hat sich genau an die Grenzen der Kirchspielgemeinde gehalten, deshalb kam die Burg Klamm zu Obsteig. Die historische Gütergemeinschaft Gschwent/Fronhausen wurde auf zwei Gemeinden aufgeteilt. Das Holzerhäusle, besser bekannt als Fernblick gehört politisch zur Gemeinde Mieming, schulisch und kirchlich zur Pfarre Obsteig.

Die bodenständige Sprache, die mundartliche Verwendung des Gemeindenamens bestätigt die Herkunft des Namens „Obstoag“. Aus dem  „ober dem Gstoag“ gelegen entstand Obstoag und deren Bewohner, die Obstoager.  Die Mundart unterscheidet noch heute zwischen dem Steig für Fußgänger und dem Gstoag, als steilen, für Fuhrwerke schwer überwindbaren Fahrweg. Das Gstoag ist heute noch als Bezeichnung für den steilen, früheren Hohlweg unterhalb von Fronhausen bekannt.

 

 

 

1802 Gemeinsbeschluß von Obsteig, angelehnt an die Weistümer des 18. Jahrhundert.

Die Weistümer waren historische Rechtsquellen, meist mündlich überliefert und wurden im 17. und 18. Jahrhundert in vielen Gemeinden verschriftlicht. Für Obsteig und Barwies sind keine Weistümer erhalten. Wohl aber für unsere Nachbarn in Ober- Unter- und Wildermieming, für Stams, Rietz, Silz, Haiming, Biberwier und Nassereith. Diese Weistümer belegen besonders in der Gemeinde Miemingerberg die Eigenständigkeit der Nachbarschaften innerhalb der Gemeinde. Diese Weistümer sind überliefert im Buch „Tirolische Weistümer, Band VII“ von Ignaz Zingerle. Die Obsteiger fassten ihren Gemeinsbeschluß einunddreißig Jahre vor der Teilung der Großgemeinde Miemingerberg. ( Kopie – Privatarchiv Riserhof). Die Regelungen galten für Wald und Weide und für den Zuzug von Personen in die Gemein und Nachbarschaft von Obsteig. (Anm: Für Teile dieses Gemeinsbeschlusses würde die Gemeinde heute vor Gericht die rote Karte bekommen. Deshalb die Tafel Ortsende von Obsteig, mit dem roten Strich als Zeichen für alles was innerhalb dieser Tafeln früher und heute rot werden lässt. TR)

 

Actum Obstaig den 13. August anno 1802

Ist allda der gemeine Bschluß gemacht wordn:

 

1.)   Wird gebothen dass jeder Gemeins Mann allezeith, wann es gebothen wird, bey der Gemein erscheinen, oder jedes mahl für das Ausbleiben 17 kr  Strafe zu bezahlen  schuldig ist.

2.)   Wird verbothen das Grasropfen und Mähen von Fruehn Jahr an bis Mathias Tag im Hörbst; all wo ein Rind Stück gehen kann. Bey auftragen der Strafe per   – fl   30 kr.

3.)   Verbiethet man alles Holz und Ströb auser der Gemeind zu verkaufen. Wer solches überthretet, dieser soll der Gemein von einem Fueder Ströb per  1 fl  und von einer  jeden Klafter Scheiterholz  1 fl   bestraft werden.   2te Notta: Wer aber ein erwachsenes Holz zeigen kann und selbsten noch hinlenklich Holz hat, dieser soll es durch Erkenntnis der Gemeindevorstehung verkaufen können.

4.)  Ist der Gemein Beschluß wer sich in der Gemein Obstaig ankaufen will, dieser soll das vorgeschriebene Einkaufs Geld, wenn der Kauf errichtet, dem ersten Tag darauf unfehlbar bey einem Kreuzer erlegen.

5.) Doch wenn sich auch ein Fremder in dieser Gemein verehelichen will, wenn er auch Besützer werden will, so muß dieser, ehe und bevor es zur Hochzeit zusammen geläutet, das Einkaufs Geld unfehlpar erlegen.

 6.) Wenn außer diesen Gemeins Leuten Fremde ungeheißen sollten eingelassen werden, so   soll, der einen solchen aufnimmt von der Gemeinde, wann er solches  nicht  anzeigt,    von 8 Tage für einen pro 30 kr  Strafe belegt werden.  Laßt sich aber jener mit dieser Strafe nicht abtreiben, so wird er die nächsten 8 Tag darauf mit 1 fl   bestraft werden,  und so weiter fort und fort.

7.)   Wenn einer sich soll erfrechen, ein Stück Rind Viech schlampen zu lassen, oder nicht zum Hirten treiben wollte, dieses Viech ist ein für alle mal der Beschluß, dass es der aufgestellte Pfender alle mal solle pfennten.

8.)   Ist verbothen alles Viech zu lögnen, an allen Orten und unseren Viechtrieben  und   Atzung (Weide)  Böden auf das genaueste verbothen. Und der sich anmaßt soll von     der Gemain bestraft werden.

Nach dem Ablesen ist es bey deme belassen, und von der Gemein Gut geheißen worden, deswegen haben sich die Gemeins Vorsteher eigenhändig unterschrieben.  

Joseph Spihlmann als Fiertlmeister und Dorfmeister zugleich, Zacharias Thaller als Dorfmeister, Jacob Schärmer als Gewalthaber, Gaudenz Wille als Gewalthaber, Franz Gäßler Dorfmeister, Johann Wilhelm Gewalthaber,

Thaddäus Ries, Peter Spillmann, Martin Prantauer, Paul Föger, Leobold Mader, Joseph Hyrn, Pernhard Schaller, Simon Thaller, Anton Thaller, Joseph Hosp, Thoman Haid, Joseph Kuen, Andre Kärlinger, Andreas Randtolpfh.

( aus dem Privatarchiv von Klaus Rieser, transkribiert von Toni Riser 2012)

Legende:

Geld :  fl = Gulden, kr = Kreuzer /   1Gulden = 60 Kreuzer /   1 fl 1820   = ~ 20 Euro 2020.

Einkaufsgeld = Zuzieher konnten sich in die Gemeinschaft einkaufen, wurden dadurch  Gemeinsleute (Gemeinsbürger) und konnten ihr Gewerbe usw. betreiben.

Fremde = waren nicht willkommen, weil diese bei Krankheit oder im Alter der Gemeinschaft zur Last fallen konnten. Zugezogene Dienstboten zählten zur Hausgemeinschaft, nicht   zu den Fremden.

Pfender = Vieh, vom Huhn bis zum Pferd sollten, falls diese in fremden Wiesen, Weiden           oder Gärten angetroffen wurden, vom Pfänder in Gewahrsam genommen werden       und mussten vom Besitzer  gegen Ersatz des Schadens und des Pfandgeldes ausgelöst         werden.

Fiertlmeister = (Viertelmeister) und Dorfmeister waren von der Gemeinde bestimmte    Männer als verlängerter Arm des Vorstehers (Bürgermeisters). Ihre Aufgabe war z.B.         die Erhaltung und Pflege der Gemeindewege zu organisieren, die Arbeits- und           Gespannschichten einzuteilen und deren Arbeit zu überwachen.

Gewalthaber = waren im heutigen Sprachgebrauch „Obleute“, die innerhalb der agrarischen     Gemeinschaften (Nachbarschaften), meist jährlich gewählt wurden. Diese hatten die        Almen und sonstiges  gemeinschaftliches Gut zu verwalten. Zu Ihren Aufgaben   gehörte z.B.  Hirten anzustellen, Weidepflege zu organisieren, Zäune zu überwachen,Ordnung bei Weiderechten zu halten, für die Verpflegung der Hirten zu sorgen, usw.

 

 

Das Gemeindeteilungsprotokoll ist auch im Buch „Der Raum von Obsteig ……..“ von Prof Emil Reisick abgebildet und transkribiert. (Quellenangabe: Tiroler Landesarchiv, Gemeinde Obsteig, Privatarchiv Klaus Rieser,  Privatarchiv Riserhof, Prof. Dr. Emil Reisick, Chronik Obsteig, Universität Innsbruck. Fotos: Riser Robert, Luise Riser.)

 

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Quelle: Chronik Obsteig