Johannes Stecher: „Die besten Lehrer für mich sind die Kinder“.

Foto: Gerhard Berger
„Ich habe das gar nicht verdient!“, mailt mir kürzlich Johannes Stecher, auf meine Frage, dass ich für die Chronik Obsteig einen kurzen Beitrag verfassen möchte. Und vor einem Jahr bei der Verleihung des Kunstpreises der Stadt Innsbruck sagt er zur Tiroler Tageszeitung: „Ich freue mich sehr. Es ist zwar ein Preis, den ich bekomme, weil ich zuständig für die Wiltener Sängerknaben bin, aber eigentlich ist es ein Preis für uns alle. Für die Kinder und für meine Studenten. Und auch für das von mir gegründete Barockorchester, die Academia Jacobus Stainer“.
Die Wiltener Sängerknaben aus Innsbruck zählen zu den traditionsreichsten und ältesten Knabenchören Europas und zu den besten ihrer Art weltweit. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Die künstlerische Leitung liegt seit 1991 in den Händen von Johannes Stecher.

Foto P. Simon – Wiltener Sängermädchen
Seit 2021 baut Johannes Stecher mit seinem Team den Mädchenchor Wilten auf.
Prof. Mag. Johannes Stecher wurde 1965 in Innsbruck geboren und wuchs am Haimingerberg auf. Mit sechs Jahren hat er angefangen, Klavier zu spielen. Er studierte Gesang und Orgel am Mozarteum und Konservatorium Innsbruck. Stecher führte den Chor mit heute ca. 150 Mitgliedern zu einer neuen Blüte. 1996 gründete er das Tiroler Barockorchester Academia Jacobus Stainer, 2021 den Wiltener Mädchenchor. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise.
Ende November 1978 ist Johannes mit seinen Eltern Waltraud und Hubert sowie mit seinen jüngeren Geschwistern Christian, Clemens und Carmen nach Obsteig gezogen.

Bei der Ehrenbürgerurkundenverleihung von Pfarrer Stefan Köll am 01-09-1986 war der Kirchenchor mit Johannes, Clemens und Carmen Stecher auch dabei.
Über die Jahre in Obsteig sagt Johannes Stecher, „er ist Pater Stephan Köll OCist sehr dankbar, weil er – und natürlich die Pfarre – die Orgel vom Orgelbauer Pirchner restaurieren und mich immer üben hat lassen“. Seit dem 10. Lebensjahr am Haimingerberg und ab dem 13. Lebensjahr in Obsteig war er durchgehend Organist, zuerst auf einem Harmonium,

dann auf der Orgel. Am 14. 08.1985 hat er mit 19 Jahren den Kirchenchor von Pater Stephan übernommen. „Die Chorsänger:innen haben mich jugendliches Greenhorn fünf Jahre ausgehalten bis ich nach Telfs wechselte“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Für den Schüler gab es auch sehr intensive Zeiten, zum Beispiel zu Silvester mit der Musikkapelle Neujahrsblasen gehen, anschließend den Jahresschluss-Gottesdienst an der Orgel spielen, dann mit den Obsteiger Jugendlichen ausgehen und am 1. Jänner wieder um 9 Uhr die Messe an der Orgel spielen, erinnert sich Johannes Stecher.
Die Pfarre war damals dem Stift Stams zugehörig, deswegen durfte er auch in der Stiftskirche Orgel spielen. Und noch etwas: Bereits mit 16 Jahren hat er in Obsteig über die Musikschule Mieming Klarinette unterrichtet.

Am 18. Juni 1989 hat der ORF-Tirol die Sonntagsmesse für ganz Österreich und Südtirol übertragen. Zelebrant war Pater German Erd OCist. Chor, Orchester und Orgel wurden von Johannes Stecher geleitet bzw. gespielt. Als musikalische Gestaltung wurde die Gabriels-Messe von Michael Haydn geboten.
Johannes Stecher gilt als einer der besten Gesangspädagogen Österreichs. „Niveauvolles Musizieren mit Kindern und Jugendlichen, das ist mein Ziel. Ich versuche immer Gedanken der Religion, der Toleranz, der Menschenrechte, des gegenseitigen Respekts einzubringen. Nirgends sind wir in der Ökumene so weit wie in der Musik, kommt mir vor, ganz egal, ob der Komponist orthodox, katholisch, protestantisch war oder Atheist ist. Wir singen gute Chormusik und klären offene Fragen. Oder wir singen ein Lied aus China und reden über andere Mentalitäten und Kulturen. Den größten Wert lege ich auf Spaß, auf Freude am Musizieren und den Klang. Aber eben auch Freude an der erbrachten Leistung. Die Kinder sollen stolz sein, was ihnen gelungen ist. Mir ist es wichtig, zu betonen, dass wir die Kinder begaben müssen“.

Foto: R.Sigl – Muttertagskonzert 2025 im Congress IBK
Als Dirigent brachte Johannes Stecher Werke zur Aufführung, die zum großen Teil auch als Aufnahmen vorliegen: Messen von Isaac, Palestrina, Byrd und Monteverdi, Marienvesper von Monteverdi, Messias von Händel, Weihnachtsoratorium von Bach (nominiert für den Deutschen Schallplattenpreis), Johannespassion von Bach, h-moll-Messe von Bach, Matthäuspassion von Bach, Kantaten von Bach, Requiem von Mozart, Krönungsmesse von Mozart, Credo-Messe von Mozart, Missa solemnis und zahlreiche andere Orchestermessen von Mozart, Schöpfung von Haydn, Jahreszeiten von Haydn, Salve Regina, Theresienmesse und Orchestermessen von G. und J. Haydn, Requiem von Brahms, Te Deum von Bruckner, e-moll-Messe und Motetten von Bruckner, Motteten von Pärt (nominiert für den Deutschen Schallplattenpreis), Symphonien von Schubert, Klavierkonzerte von Brahms, Elias von Mendelssohn, Operngalas gemeinsam mit Bernd Weikl mit Werken von Verdi und Wagner, Orchestermessen von Dvorak, Weber, Orgelkonzerte von Händel, Peters, Poulenc, Carmina Burana von Orff, Uraufführungen von Paul Engel, Eduard Demetz und Johannes Stecher („Josefsmesse“).
Auszeichnungen

Bürgermeister Johannes Anzengruber überreicht Johannes Stecher das Ehrenzeichen für Kultur der Stadt Innsbruck, 18.11.2025. Foto: Stadt Innsbruck
Die Auszeichnungen widmet Johannes wie eingangs erwähnt, denen, für die er und mit denen er arbeitet und seiner Frau Evelyne, die ihn beruflich sehr unterstützt. Es sind dies das Ehrenzeichen für Kultur und der Preis für künstlerisches Schaffen der Stadt Innsbruck 2025, die Verleihung des Berufstitels Professor durch den Bundespräsidenten 2022, die Verleihung des Jakob Stainer Preises des Landes Tirol für Verdienste um die alte Musik 2018 und die Verleihung des Verdienstkreuzes des Landes Tirol für kulturelles Engagement 2016.
In der Freizeit ist die Natur eine Kraftquelle. Er baut im Garten gemeinsam mit seiner Frau eigenes Gemüse an. „Die besten Ideen kommen auf dem Feld. Und Singen ist der Gartenarbeit sehr ähnlich. Man betätigt sich körperlich, ist danach müde, aber eben auch erfüllt“, meint der verdiente Musikpädagoge. Höhepunkte und Zukunftspläne gibt es natürlich auch: „Mit den Sängerknaben war es sicher die Arbeit an der Mailänder Scala oder bei den Salzburger Festspielen. Ich hätte mir außerdem nie träumen lassen, dass wir das Weihnachtsoratorium auf einem solchen Niveau performen, dass es live im TV ausgestrahlt wird. Heuer werden die Sängerknaben seit ihrer Wiederbegründung 80 Jahre alt. Aus Anlass dieses Jubiläums wird die Johannespassion von Bach, das Mozart-Requiem und gemeinsam mit den Mädchen die Carmina Burana gesungen. Das fordert die Kinder heraus. Und bringt sie weiter“.
Für mich als Verfasser dieses Beitrages zu Johannes Stecher bleibt vieles dankbar und respektvoll. Ich fasse es in zwei kurzen Sätzen von Johannes zusammen: „Die besten Lehrer für mich sind die Kinder“ und „Die Welt ist in Ordnung, wenn wir singen“.

Werbung bei der Bushaltestelle beim Gemeindeamt Obsteig für das Konzert der Wiltener Sängerknaben im September und Oktober 2026.
weitere Impressionen:
- Lian mit Johannes Stecher und Sebastian in der Hofkirche 2025
Quellen und Links:
TT 18.11.2025 Seite 11: Ein Ohr für das Schöne.
Quart Nr. 2 aus 2024: „Die Welt ist in Ordnung, wenn wir singen.“
Tiroler Sonntag vom 15.06.2026: So viele Auftritte, so viele Schnitzel.
Mein Bezirk vom 19.11.2025: Preis für künstlerisches Schaffen verliehen.
Homepage der Wilterer Sängerknaben
Johannes Stecher wurde von Josef Wilhelm (Obsteig – Graz) interviewt
und die Fotos stammen von: R. Sigl – Carmina Burana Congress IBK, R.Sigl – Muttertagskonzert 2025 im Congress IBK, Portrait Stecher von Gerhard Berger und die restlichen von der Chronik Obsteig









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