in Chronik 2018 - 2019

Fotos und Text: Herbert Krug und J.M.Faimann

Der Sommer 2018
war – gefühlt und statistisch bestätigt – ein „Jahrhundertsommer“.
Während die Landwirte wegen der lang andauernden Trockenheit über weniger Ertrag auf ihren Feldern klagen (Heu, Grummet), kann sich vermutlich kaum jemand daran erinnern, dass man jemals so viel Obst ernten konnte, noch dazu in ausgezeichneter Qualität.

2017 fiel die Obsternte nach einem Frosteinbruch während der Blütezeit weitgehend aus.

In Obsteig gibt es keine „Obstbauern“, der vorhandene Obstbaumbestand dient mehr oder weniger der Selbstversorgung.
Was tun mit dem reichlichen Erntesegen? Einkochen, Freunde und Nachbarn mit „Obst aus dem eigenen Garten“ beschenken, Dörren, Einlagern, zu Most verarbeiten oder einmaischen und zu „Obstler“ destillieren lassen.

Viele ObsteigerInnen nutzten das Angebot des Mieminger Obst- und Gartenbauvereins:

In der Obstpressanlage in Untermieming konnte man die eigenen Äpfel und Birnen . . .


. . . zu Saft pressen lassen, der problemlos längere Zeit haltbar ist.

Historischer Rückblick:

Ein Obst- und Gemüsebauverein wurde schon 1921, erster Obmann war Hans Ratschiller, gegründet.


Im Dezember 1937 suchten Obstbauvereinsobmann Josef Scharmer und Bürgermeister Alois Thaler um den Neubau eines Obstpress- und Gemeindemagazins an. Ob schon im Jahr 1938 gebaut wurde oder erst etwas später oder eher doch nicht, entzieht sich unseren Kenntnissen.

Fix ist aber, dass im Jahr 1948 das alte Lagerhaus mit Mosterei abgetragen wurde.

Vermutlich kaufte Frau Sofie Gassler für ihren Neubau in Langgarten das verwendbare Material der alten Mosterei.


Im Jahr 1948 suchte die Gemeinde Obsteig für einen Neubau des Gemeindehauses (Lagerhaus mit Mosterei, Wohnung und Kanzlei) auf Gp. 1164 an. Es kam aber zu einer Verschiebung der Bauverhandlung, da sich der Gemeinderat unter Bgm. Josef Granbichler ( geb. 1901) auflöste.


Unter dem neuen Gemeinderat mit Bgm. Josef Rudig wurde am 17.08.1948 die Bauverhandlung, bei der Gemeinderat Hermann Föger (geb. 1912) für die Gemeinde Obsteig dabei war, durchgeführt. Erst 1956 wurde das Gebäude endgültig kollaudiert und es musste bereits im Jahr 1978 wegen des heute bestehenden Gemeinschaftshauses (Gemeindeamt, RAIKA, TVB und Wohnungen) wieder abgerissen werden.


Fast jeder Hof hatte einen „Obstbangert“ (eine größere Fläche, die mit verschiedenen Obstbäumen bepflanzt ist), auch in vielen Gärten von Einfamilienhäusern wurden Obstbäume gepflanzt. Die Sortenvielfalt war groß („frühe Äpfel“, „Lageräpfel“, „Mostäpfel“, …), Obst wurde auf vielerlei Art verwertet.


In Zeiten, in denen man alles und noch dazu in jeder Jahreszeit kaufen konnte, verloren diese Bäume an Wert. Obstbäume wurden zunehmend als Belastung empfunden („Dië Bam sein lei im Weïg und måchen an Haufn Årbeit …“), der Obstbaumbestand in Obsteig ging rasant zurück.


In den letzten Jahren entstand ein neues Bewusstsein: Obstbau wird in kleinem Rahmen wieder vermehrt von Liebhabern entdeckt und Obstgärten werden als wertvolle Lebensräume geschätzt. Die Zeit der mächtigen Hochstammsorten ist jedoch vorbei, meistens werden kleinwüchsigere Baumformen gepflanzt.

 

Das Chronistenteam möchte die Bevölkerung fragen, ob uns jemand Hinweise zur damaligen Mosterei geben kann (vielleicht als Kind mit dem Vater mitgegangen) oder sogar Fotos vom Gebäude hat.

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Quelle: Recherche Krug und Faimann