Drei besondere Wasserfälle in Obsteig

Drei besondere Fälle

 

Nein, es handelt sich um keine Streitfälle, keine Kriminalfälle, keine Sonderfälle und auch keine Unfälle. Heute erzähle ich von drei Fällen, die Obsteig in besonderer Weise auszeichnen. Es sind drei in unterschiedlicher Weise wasserführende Bäche, die in markanter Art das Dorf und die Gegend prägen.

 

Die Hauptwasserader durch das Dorf ist unbestritten der Sturlbach (im TIRIS Klammbach genennt), der direkt bei Mötz in den Inn mündet.

 

Daran reihen würde ich den Marienbergbach, der als Piger- oder Gurgeltalbach über Nassereith und dann bei Imst in den Tiroler Hauptfluss Inn entwässert.

 

Kleiner, aber nicht weniger wichtig ist der Trendlesbach, der aus dem Zwischensimmering bis zu den Häusern Roller führt, wo er sich mit dem Sturlbach vereinigt.

 

Es würde sich lohnen, einmal die Geschichte, die Geologie und die Erlebnisse um diese Gewässer – vom Bewässern der Felder, von Sturzfluten bis zum Schwarzfischen – genauer unter die Lupe zu nehmen, darzustellen und in Erinnerung zu rufen.

 

Jetzt zur Sache: Alle drei Bäche haben die Besonderheit, dass sie über Geländebrüche talabwärts führen und an diese Fälle, also an Wasserfälle möchte ich erinnern. Fotos: Josef Wilhelm

 

Wasserfall Klamm 2003-05-20

Fall eins ist der Klassiker: Als Buben durften wir Walder Buben am Sonntag nachmittags im Sommer zum Wasserfall beim „Schloss Klamm“ gehen. Über die unteren Felder, vorbei am „Müllerfeld“ – damals war der steile Hang, der uns im Winter das Schifahren ermöglichte, noch Feld, heute ist es mit Fichten verwaldet – kamen wir irgendwie über den Bach, gingen über freie Wiesen zur Brücke bei der Burg Klamm. Von der Brücke gelangt man auf einem Steig in wenigen Minuten zu einem wunderschönen ca. 25 m hohen Wasserfall des Klammbaches. Damals führte noch ein kleiner Steig ganz nahe an das aufprallende Wasser, das uns mit einer Art Sprühregen befeuchtete. Hier konnten wir erahnen, dass sich der im Oberlauf friedliche Bach über Jahrtausende einen Durchlass durch die Felsen gebahnt hat, mit imposanter Kraft am Boden aufprallt.  Er meldet sich sozusagen am „oberen Steig“ vom Mieminger Plateau ab und sagt mit kräftigem Rauschen am Tor zum Inntal, „hier bin ich“.

 

Wasserfall Klammle 2015-04-05

Fall zwei ist der wenig bekannte Wasserfall im „Klammle“ zum Zwischensimmering. Auf diese verborgene Besonderheit hat mich der Schaber Franz aufmerksam gemacht. Er hat zusammen mit dem Gassler Erwin (Honnesen), Mayr Kurt und Oberförster Siegfried Haller nahezu das halbe (Arbeits-) Leben als Arbeiter bei den Bundesforsten in diesen Wäldern gewirkt, dabei die erste Motorsäge in Betrieb genommen und den großen Wandel in der Waldbewirtschaftung erlebt. Meine Eltern Wilhelm Hermann (Ehrwalder) und Ennemoser Gassler Agnes (Bloacher) wie wohl alle Finsterfiechter*innen und die im Roller lebenden Leute haben diesen wenig bekannten Ort gekannt. Er hat im Tourismus keine Rolle gespielt.

Zum Wasserfall führt der Weg etwa hundert Meter bevor der Fahrweg zum zweiten Mal die ehemalige Schiabfahrt quert nach rechts ab über einen flachen und schmalen Fahrweg bis man zu Bach kommt. Von dort gibt es einen kurzen, mit Bäumen verlegten Steig und bald hört man das Plätschern und dann sieht man das herunterfallende Wasser, das sich nach Erzählungen der Altvorderen bei Gewittern im Unterlauf zu einem Wildbach entwickeln kann und tatsächlich schon Brücken weggerissen hat. Soweit einige Anmerkungen zu diesem kaum noch besuchten „Fall“.

 

Bloder Marienbergbach 2019-06-17

 

Den Fall drei habe ich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Ich hätte nie gedacht, dass aus dem Marienberg kommend ein Gewässer über Felsen stürzen muss oder darf.  Man erreicht diese Naturschönheit, wenn man bei der großen Kurve zwischen Weisland und Aschland, dort wo der Bach bei der Brücke eine Saugstelle für die Feuerwehr bietet, taleinwärts geht oder ein Stück mit dem Rad fährt.  Der Fahrweg endet etwa dort, wo auf der anderen Seite des Baches im Bloder, Franz Schmid mit seiner Frau Regina (Gena) ihre Bleibe hatte. Ich erinnere mich nur noch an mittlerweile weggeräumten Mauerreste, mehr nicht. Zum einen war es von Wald dorthin ein weiter Weg und zum anderen wurde uns zu diesen abgelegenen Orten eine gewisse Scheu anerzogen (Das galt auch für die ersten Häuser in Mötz, wenn man vom Wasserfall bei der Burg Klamm kommt).

Geht man nun bachaufwärts so ist man in wenigen Minuten an einer Stelle, die zum ruhigen Schauen einlädt, eine Naturschönheit mit Charme, die immer beliebter zu werden scheint. Das Wasser schießt in zwei Strängen über glattgeschliffene Felsen herunter, gräbt sich eine Mulde und versteckt sich in einer großen und hohen Aushöhlung. Die Mulde soll auch von manchen zu einem Kaltbad benützt werde. An den Tagesrändern soll das auch möglich sein, wenn man keine Badebekleidung dabeihaben sollte. Ich selber fahre gerne vormittags auf einem mit Batterie unterstützten Fahrrad dorthin, vornehmlich zum Hören und Schauen. Das scheint wenig, es kann aber auch sehr viel und eine Wohltat für sich selbst sein.

 

 

Text: Josef Wilhelm, Fotos: J.M. Faimann – Chronik Obsteig

 

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Quelle: Chronik Obsteig