Abt Josef Maria Köll von Stams tritt ab

Abt Josef Maria Köll war seit 1885 Abt in der Zisterzienserabtei Stams. Diese Abtei ist seit der Gründung der Obsteiger Pfarre eng mit dem Dorf verbunden, denn sie stellt seit diesem
Jahr die Pfarrer im Ort.

Nun ist Josef Köll seit 17 Jahren Abt dieses Klosters und denkt jetzt an seinen Rücktritt. Die Folge wird eine neue Abtwahl sein. Josef Köll wird als jener Abt in die Geschichte eingehen, der die Abtei wieder stärker als Landeskloster in das Bewusstsein der Politiker brachte. Seit Meinhard ll. bis in die weite Neuzeit war Stams schließlich die Begräbnisstätte der Tiroler Landesfürsten und ihrer Angehörigen.

Abt Josef Maria Köll tritt nun mit Oktober ab und die Neuwahl eines Abtes wird im November erfolgen. Ob dieser das Geschick zum sanften Management und die gleiche Hingabe zu den Menschen aufbringen wird wie er, wird sich erst erweisen. Im November ist Wahl.


Ein Bild von einem Abt

Nach 945 Wochen als Abt von Stift Stams gibt Josef Maria Köll Kette und Ring an einen Jüngeren weiter.

Hätte Hollywood die Rolle eines Abtes zu besetzen, in Stift Stams würde man fündig. Denn der dortige Noch-Abt, Josef Maria Köll, repräsentiert exakt das, was man sich unter einem Abt vorstellt: Er ist groß, schlank, selbstverständliche Autorität ausstrahlend, elegant in seinem „Prachteinband“, dem schwarz-weißen Habit des Zisterziensers mitsamt den goldenen Insignien seines Amtes. Leicht gestört wird dieses Idealbild nur durch die Zigarette in der Hand des Abtes, ohne die man den geistlichen Herrn kaum sieht.

Doch ein Laster muss der Mensch schließlich haben, selbst ein Abt. Außerdem könne er gar nicht aufhören zu rauchen, so Köll. Denn von den sechs Tiroler Äbten rauchten drei und drei rauchten
nicht. ,,Und wenn einer mit dem Rauchen aufhört, weiß man nicht, was dann dort für Beschlüsse gefasst werden“, schwindelt sich der Herr Abt augenzwinkernd über sein kleines Laster hinweg.
Äbte müssen lange arbeiten. Mit 65 hätte Köll in Pension gehen können, wollte er aber nicht, mit 70 wollten ihn seine Mitbrüder nicht ziehen lassen und mit 75 muss ein Abt eines Zisterzienserklosters einem Jüngeren Platz machen.

Kommenden Dienstag feiert Josef Maria Köll seinen 75. Geburtstag, nach 945 Wochen als Hausherr in einem der größten und traditionsreichsten Klöster Tirols.

Großes Vermächtnis

Zur  Erinnerung an den letzten Hohenstaufer Konradin 1273 von Graf Meinhard II., gegründet und als Begräbnisstätte der Görzer auserkoren, nimmt Stams unter Tirols Klöstern eine Sonderstellung ein. Dieses großartige Vermächtnis erlebt der 43. Stamser Abt eher als Bürde, ,,denn die ehemals großen Besitzungen sind im Laufe der Jahrhunderte fast alle verloren gegangen“. Die Meinung vieler Menschen vom Reichtum des Stiftes entspricht schon lange nicht mehr der Wahrheit. Allein 32 Kilometer Forstwege zu erhalten, von den Dächern ganz abgesehen. Be­achtliche 13.500 Quadratme­ter ist die Dachfläche von Stift Stams groß und allein diese intakt zu halten ist laut Köll „ein Fass ohne Boden“. Aber auch das Kloster selbst ist eine ewige Baustelle, immer gibt es etwas zu restaurieren, zu sanieren, zu konservieren. ,,Ohne die Hilfe der öffent­lichen Hand könnten wir das Stift schon längst nicht mehr erhalten“, so Josef Maria Köll. Das Kloster mit seinen riesi­gen Gängen sei eben keine Architektur für die Bedürfnisse von heute sondern gebaut in einer ganz anderen Zeit als feudale Demonstration geistlicher wie weltlicher Macht.

Köll gibt zu, gern Abt gewe­sen zu sein, ,, wenn dieser Job heute auch in Zeiten wie die­sen alles andere als das Wahre ist“. Denn es werde personell immer enger, die Pfarreien, die zu betreuen sind, werden aber nicht weniger, und auch das Kloster selbst bereite rein erhaltungstechnisch riesige Probleme. Die Zeiten, in de­nen im Abtamt auf einzigarti­ge Weise weltliche und geistli­che Macht  zusammenflossen, sind laut Köll längst vorbei.

„Von Macht reden wir lieber nicht“, so der Noch-Abt, lieber von Management. Man hätte als Abt bei bestimmten offiziellen Anlässen halt dabei zu sein, zu repräsentieren gibt sich Köll bescheiden‘
aber , intern stehe und falle das Gedeihen des Klosters allein mit dem Engagement der Mitbrüder und der rund 40 Angestellten.

Unzählige Aufgaben

Gilt es doch ein Gymnasi­um mit 580 Schülern in Be­trieb zu halten, ein Museum mit jährlich wechselnden Sonderausstellungen zu be­spielen, die nicht aufhören­den Bauaufgaben müssen überwacht, die hochkarä­tigen klösterlichen Archive und Kunstschätze bzw. die 50.000-bändige Bibliothek  betreut und aufgearbeitet, die klösterliche Land- und Forst­wirtschaft gemanagt werden.

Die kostbarsten Stücke aus der Bibliothek sind nach der Aufhebung des Kosters 1807 allerdings der lnnsbrucker Universitätsbibliothek einver­leibt worden und nicht mehr in das Stift zurückgekehrt, ,,obwohl irgendein Thronfol­ger“ dies versprochen habe.

Noch hat Stift Stams genü­gend Zisterziemer, um -fast -alle klösterlichen Schlüs­selaufgaben mit Mitbrüdern zu besetzen. Doch diese wer­den immer weniger. Patres – davon 15 Priester – bilden heute die Stamser Ordensgemeinschaft.

Stift Stams ist zwar stolz auf seine Vergangenheit, sei­ne Rechtfertigung schöpft es allerdings aus der Gegenwart. Seit 1949 füllen junge Men­schen die langen Gänge des ehrwürdigen Klosters. Zuerst wurden Spätberufene auf das Priesteramt vorbereitet, was sich dann zu einem Gymna­sium ausgewachsen hat. Über 90 Priester sind aus dieser Schule hervorgegangen und sie werden laufend weniger. Und das bereitet dem schei­denden Abt große Sorgen.
Der Altersschnitt der Patres liegt in Stams bei 55 Jahren, der jüngste Mitbruder ist 32. Warum das klösterliche Leben für junge Menschen nicht mehr attraktiv ist, erklärt Köll mit dem ausgeprägten Indi­vidualismus in der heutigen Zeit. Im Kloster müsse man zugunsten der Gemeinschaft das eigene Wollen oft zu­rückstellen, sich dem Willen der Mehrheit fügen. Und je älter der Klerus werde, um so schwieriger werde es, junge Menschen für die Kirche zu begeistern, allein schon die richtige Sprache zu finden.
Auch bezüglich der Erhaltung der Klöster sieht der Abt riesige Probleme auf die Öffentlichkeit zukommen. Köll hofft allerdings, dass er nicht ein Angehöriger einer aussterbenden Gattung ist, sondern ein Umdenken einkehrt . Ein leises Indiz ortet er im Trend zum Kloster auf Zeit.

Erster Novize

Der 1928 in Stams gebore­ne Josef Maria Köll hat sich schon als 17-Jähriger für ein Leben im Kloster entschieden und es bis heute nicht bereut. Gleich nach der Matura ist er als erster Novize nach dem Zweiten Weltkrieg in Stift Stams eingetreten, angezo­gen von den Glaubensüberzeugungen der Zisterzienser.

Träume von Studien der Ge­schichte und Kunstgeschichte hat der 1954 zum Priester Ge­weihte klösterlichen Notwendigkeiten opfern müssen. Das bedeutete viele Jahre als Erzieher Lehrer und
Pfarrer und seit 1985 „ nun 945 Wochen als Abt“. Angst arbeitslos zu werden, hat Josef Maria Köll nicht. Vielleicht könne er einige Träume von früher realisieren.

„Einmal schauen, was der neue Chef für Pläne hat“. An ihm wird Josef Maria Käll Mitte Oktober das goldene Pektorale – die Abtkette – und den Abtring frohen Herzens weitergeben. Und sich eine Zigarette anzünden.

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Quelle: Journal Tirol

Orginaldokument: Abt Josef Maria Köll von Stams tritt ab