Geschichte der Rinderzucht in Obsteig

Schon in den ersten urkundlichen Erwähnungen aus unserer Gemeinde zinsten 1288  zwei Schwaighöfe zu Wislan an den Landesfürsten mit Käse. Dieser Umstand weist auf eine bald 800 jährige Haltung von Milchvieh hin. (Quelle: Buch Dr. Emil Reisick)

Die Alpen Simmering und Lehnberg scheinen im Tiroler Alpbuch bereits 1537 auf und wurden 1848, gemäß „Kaiserlicher Entschließung“ von der Forsteigentumspurifikationskommission (FEPK) als Privateigentum anerkannt. Der Lehnberg wurde als Privateigentum der Lehnbergalpsbesitzer der Gemeinde Obsteig mit Einschluß der „außergemeindlichen Lehnbergalpsbesitzer“  in Fronhausen, Krebsbach und Freundsheims anerkannt.  Die Alpe Simmering wurde den Alpsinteressenten  von Zein, Tabland und Mötz der Gemeinde Mieming und von Wald, Thal, Finsterfiecht, Oberstrass und Unterstrass der Gemeinde Obsteig als Privateigentum anerkannt. In Weisland war die Nutzung des Stierwaldes  1848 mit der Verpflichtung zur Haltung des Zuchtstieres und des Mesnerdienstes in der Weislander Kapelle vertraglich festgelegt. (Quelle: Privatarchiv Riserhof)

Vor mehr als hundertdreißig  Jahren begann am Miemingerberg und damit auch in Obsteig eine „professionelle Viehzucht“. Tiroler Landrassen, die Blobm, die Grauen und die Braunen Rinder waren in Obsteig heimisch.  Den ersten Hinweis auf eine genossenschaftlich oder auf Vereinsbasis organisierte Rinderzucht in Obsteig stammt aus folgender der Einladung:  „Für den 18. Oktober 1890, den Kirchsamstag  lud Alois Thaler  die Obsteiger Viehzüchter  schriftlich zu einer Prämierung in Silz ein. Insgesamt sechs Klassen von Hornvieh waren zur Prämierung ausgeschrieben. Für Stiere waren 12 Preise von  25 Gulden bis zu 8 Gulden ausgeschrieben. Für Kühe und Kalbinnen konnten 50 Preis verteilt werden, von 15 bis 2 Gulden. Zur Prämierung durften nur Vereinsmitglieder auftreiben.“

1896 erließ der Kaiser auf Vorschlag des Tiroler Landtages das Zuchtstiergesetz,  indem die Gemeinde verpflichtet wurde, nur gesunde, kräftige Zuchtstiere mit ebenmäßigem Körperbau, aus den heimischen Rassen/Schlägen für die Zucht zu lizenzieren und für eine ordnungsgemäße Haltung zu sorgen. Für je hundert faselbare (deckfähige) Rinder war ein Zuchtstier vorzusehen. Aus den heimischen Schlägen entstand das „Tiroler Grauvieh“ und durch die Vermischung mit dem Montafoner Braunvieh das „Tiroler Braunvieh“. Die Erzählung eines Barwieser Bauern beschreibt treffend die Zuteilung zur jeweiligen Rasse: „Ich bin mit meiner Kalbin zur Grauviehausstellung gefahren. Dort war diese zu groß und missfarbig.  Im nächsten Frühjahr fuhr ich mit derselben,  inzwischen jungen Kuh,  zur Braunviehschau. Dort wurde diese erstklassig prämiert – damit wusste ich, wo sie hin gehört.!“

Am 22. Februar 1900 erhielt  Anton Karlinger (Franzeler Tounig) von der BH Imst die Bewilligung aus dem Bezirk Innsbruck  vier Rinder einführen zu dürfen. Die Bezirkssperre wegen grassierender Maul -und Klauenseuche war aufgehoben worden. Anton Karlinger war  Bauer und Viehhändler beim „Franzelerhof“ in Obsteig und schickte 1902 zehn Stück Hornvieh mit einem Gewicht von 3.400 kg mit der k.k. Arlbergbahn vom Markt in Wilten nach Silz zum dortigen Markt. Mainrad Baldauf hatte seinen Hof in Finsterfiecht beim „Honnes“ verkauft und den Gasthof „Baldauf“ in Pettnau erworben. Mainrad Baldauf ließ sich am 26.11.1903 14 graue Kühe (Armente bigia) aus Strigno im Val Sugano mit der k.k. Staatsbahn vom Trienter Markt über Innsbruck nach Telfs schicken. Dieses Geschäft hat ebenfalls Anton Karlinger vermittelt. (Quelle: Privatarchiv Riserhof)

 

In Obsteig entschieden sich die Bauern für die Braunviehzucht und gründeten bereits 1909 offiziell den ersten  Braunviehzuchtverein „Obsteig I“. Es folgten bald die Vereine Obsteig II, Gschwent  und Holzleiten mit je einem Zuchtstier. Damit begann die planmäßige Zucht mit Abstammungsnachweisen, Milchleistungskontrolle und dem Ausstellungswesen. 1959 feierte Obsteig mit einer großen Jubiläumsausstellung im Langgarten ihre ersten 50 Jahre Braunviehzucht .

Die Obsteiger Landwirtschaften waren um 1900 auf Selbstversorgung ausgerichtet. Auf Grund fehlender Kuhalmen war die Milchwirtschaft nicht im Vordergrund. Vielmehr hatten sich die Obsteiger auf die Aufzucht von Ochsen und Kalbinnen spezialisiert.  Die Ochsen und Kalbinnen wurden nach der zweiten Alpzeit als Zugtiere ausgebildet. Für ein ausgebildetes Zugtier konnte bis zu einem Drittel mehr Geld am Markt erlöst werden. Die Kühe und Kalbinnen wurden nach Weihnachten gedeckt, so war sichergestellt, dass die Abkalbung nach dem Almabtrieb erfolgte. Die Kälber waren dann im nächsten Frühjahr almtauglich. Eine gute Kuh wog damals um die 400 kg (Heute 600 – 800 kg) und gab etwa 3.000 Liter Milch. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft um 1950 und der Möglichkeit, an die Molkerei in Imst zu liefern wurde die Milchleistung Interessanter. So wurden erreichte Stalldurchschnitte von 3.500 l mit Plaketten der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet. Die Aufzucht von Zugtieren war vorbei. Die Obsteiger Bauern widmeten sich um 1970 der Milchproduktion und der Kalbinnenaufzucht.

 

Garant, der letzte original Braunviehstier (Stierhalter; Herbert Ennemoser )

Schaber Alois, Schweigl Franz jun., Ennemoser Herbert und Rudig Johann führen die Gruppe der Altkühe an.

 

Eine typische  „Original Braunvieh “ Kuh.

Durch die Einkreuzung von in Amerika konsequent auf Milchleistung gezüchtetem Schweizer Braunvieh (Brown Swiss) stieg die Milchleistung bei entsprechender Fütterung auf Stalldurchschnitte auf über  5.000 l pro Kuh an.  Leider waren die Milchpreise bald nicht mehr kostendeckend und der Zuchtrinderexport musste vom Land Tirol  massiv gestützt werden. Die Selbstversorgung war nicht mehr unbedingt notwendig, so schlossen zuerst die Betriebe mit ein oder zwei Kühen die Stalltüre, bis schließlich von mehr als 70 Rinderhaltern in Obsteig um 1920, heute im Jahre 2022 noch 24 übrig geblieben sind.  Diese Entwicklung konnten auch Förderungsprogramme der EU nicht aufhalten.  So entwickelt sich aus einem reinen Braunviehzuchtgebiet, mit dem Wandel zu mehr Mutterkuhhaltung, wieder nach 100 Jahren eine bunte Mischung an Viehrassen. So sind heute in Obsteig Brown Swiss, Original Braunvieh, Tiroler Fleckvieh, Schwarzbunte, Tiroler Grauvieh,  Sprinzen,  Dahome und Kreuzungen mit Limousin, Charolais und andere Exoten auf Obsteiger Weiden zu sehen.

 

Besondere Erfolge in der Braunviehzuch erreichten, soweit mir bekannt ist:

Schaller Wilhelm mit einer Bundessiegerin bei den Kühen in Wels,

Ennemoser Alois mit einer Landessiegerin bei den Kalbinnen und

Ennemoser Herbert und Hansjörg mit Siegerinnen bei Landes- und Bezirksschauen,

bei derBundesausstellung in Wels und der „Bruna“ in der Schweiz.

Gapp Leonhard erzielte mit dem Vereinsstier der inzwischen vereinigten Obsteiger

Viehzuchtvereine einen Bezirkssieg in Imst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gschall für Pferde / eine Schelle / eine Glocke ( Singese )

 

Eine Kranzlschelle mit Initialien des Anton Karlinger ( Franzeler Tounig)

 


Die Klumpere, so nennt man eine große Schelle, die meist für besondere Anlässe,

wie Almabtrieb oder Ausstellungen angefertigt wurden, hat wahrscheinlich dem

Besitzer der Burg Klamm, Michael Hirn (1703 – 1776) gehört.

 

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Quelle: Chronik Obsteig