in Chronik 2004 - 2005

Lärchenwiesen sind eine besondere Erscheinungsform der bäuerlichen Wirtschaft. Sie reichen (zumindest)  in das Spätmittelalter zurück. Lärchen stehen in der Regel sehr locker, drei- vier- fünf Meter voneinander entfernt. Sie brauchen viel Luft und Licht. Zwischen ihnen kann so viel Licht auf den Boden dringen, dass ein gesunder Graswuchs möglich ist, so dass man das Gras mähen oder abweiden lassen kann – allerdings ist nur ein Schnitt im Jahr möglich.

Früh erkannte man die große Belastbarkeit des Lärchenholzes und seinen hohen Heizwert. So verwendete man es für Dachschindeln, als widerstandsfähiges Bauholz, viel später für die Schwellen der Eisenbahn oder als Strommasten.

Das Sudhaus in Hall schätzte Obsteiger Lärchen als Brennholz für die Beheizung der Salzpfannen.

Um die Ernte zu ermöglichen, musste man seit jeher diese Böden pflegen, und zwar durch das Aufheben abgebrochener Äste und das Verhindern unerwünschter Bestockung durch zu viele Jungbäume, vor allem Fichten und Föhren. Wurde das konsequent durchgeführt, blieb die charakteristische Wirtschaftsform der Lärchwiesen erhalten.

In Obsteig gab es seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Lärch- und Galtmähder, nicht mehr alle werden heute bewirtschaftet. Neben den siedlungsnäheren existierten an Randzonen und in Steillagen etliche, die man aufgelassen hat.

Darunter sind Lärchwiesen und Bergmähder.

Es sind im Wesentlichen die Lehnberger Mähder, das Lehnschlagle, die Niß, der Nißboden, die Arzberger Mähder,  das Dreistadelemahd“, die sich  im Bereich des Lehnbergs befanden bzw. von dort aus zugänglich waren. In den Güterverzeichnissen des 15. und 16. Jahrhunderts  liest man oft „ ein Galtmahd im Lönperg“.

Im Bereich von Finsterfiecht war es das „Grün“ westlich des Talmahdes, das jetzt nicht mehr gemäht wird.

In besonders extremen Hochlagen waren die Aschlander Bergmähder, die bis knapp unter den Bereich der Handschuhspitze reichten. Sie lagen vor allem im Einzugsgebiet des Pleisenbaches.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier einige Aschlander Bergmähder: Abbrand, Mittelstadel, Neiners, Lehnstadel, Oberlehnstadel, Pleiseboden, Hänge, überhänge, Gamsers Hänge, Tellers Obern, Schafmahd…

War schon die Grasgewinnung dort sehr mühsam –  man arbeitete oft mit  kleinen, handlichen Sensen, weil man sich mit den normal  großen selber  im Weg war und man auch oft Felsbrocken ausweichen musste – so war auch das Heimbringen sehr beschwerlich und auch oft gefährlich. Man lud das Heu auf Schlitten – es gab Aperschlitten und solche für Schnee (Gronzgner).

Durch die weitere Bearbeitung siedlungsnäherer Lärchwiesen bis in die gegenwärtige Generation kann Obsteig auf ein selten anzutreffendes Beispiel bäuerlicher Kultur verweisen. ,,Die Lärchen brennen“ war schon vor 50 Jahren ein Schlagwort der hiesigen Touristiker und auch die Vertreter der politischen Gemeinde waren daran interessiert, die Lärchwiesen als Kultur- und Wirtschaftsfaktor zu erhalten. Nur fehlte eine gesetzliche Handhabe und ein gewisser finanzieller Anreiz, auch die Grundbesitzer mit einzubinden. Nach dem alten Naturschutzgesetz war dies nicht möglich.

Erst als knapp vor 1980 das Tiroler Naturschutzgesetz geändert wurde, gab es verschiedene Stufen einer Unter-Schutz-Stellung von Landschaftsteilen. Für die Obsteiger Verhältnisse bot sich der Begriff „Landschafts-Schutzgebiet“ an.

Dies bedeutet einerseits, dass es für Bauvorhaben und andere landschafts­ verändernde Maßnahmen nur unter besonderen Bedingungen oder gar nicht eine Erlaubnis der Behörde gibt, andererseits Lärchenwiesenbesitzer für Pflegemaßnahmen dieser Wiesen abgestufte Prämien erhalten. Sie richten sich danach, ob die Flächen nur von Ästen und fremdem Jungwuchs (Fichte, Kiefer) gesäubert wurden, ob sie beweidet oder gemäht wurden (höchste Prämienstufe). Andere Arbeiten, wie z.B. Ausbesserungen an Städeln, werden gesondert vergütet. Die Prämien werden jährlich ausbezahlt, nachdem der Lärchenwiesenausschuss die Arbeit begutachtet hat. Dieser setzt sich aus drei Lärchenwiesenbesitzern, einem Vertreter der Gemeinde, des Tourismusverbandes und dem Waldaufseher zusammen. Im Jahr 1980 wurde für Obsteig die Errichtung dieses Landschaftsschutzgebietes verordnet. Wobei zu sagen ist, dass das Gebiet auch in die Gemeinde Nassereith hineinreicht. Von der 900 ha großen Fläche sind 170 ha reine Lärchenwiesen.

Die Pflege von Lärchwiesen wird in insgesamt zehn Tiroler Gemeinden gefördert: Trins, Steinach, Gschnitz, Mühlbachl, Gries a.Br., Obernberg, Neustift, Telfes, Obsteig und Nassereith. Obernberg und Gries a.Br. haben die größten Flächen, Obsteig liegt an dritter Stelle.

Im Jahr 2005 feierte das Landschaftsschutzgebiet Obsteig das 25jährige Bestehen. Aus diesem Grund lud der Lärchenwiesenausschuss zu einem Lärchenwiesenfest am 16. Oktober ein. Dafür hergerichtet wurde eine Fläche des Hofes Rudig (,,Fürst“) in der „Breite“ nahe dem Lift.

Zwei Informationstafeln erklärten die besonderen botanischen Eigenarten und den Nutzen der Lärche, sowie die Geschichte Obsteigs an Hand einer Baumscheibe einer gut zweihundert Jahre alten Lärche – bezogen auf deren Jahresringe.

Es gab eine Feldmesse, Ehrungen und insgesamt ein schönes Herbstfest.

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Quelle: Gemeinde Obsteig

Orginaldokument: Lärchenwiesenfest am 16. Oktober 2005 – 25 Jahre Landschaftsschutzgebiet Obsteig