Sühnekapelle in Finsterfiecht, auch „Simes Kappele“ genannt.

In der Feldmappe vom Jahr 1897 weist ein rotes Quadrat auf dem Weg von der Kapelle in Finsterfiecht Richtung Weiler Thal auf ein aus Stein gemauertes Bauwerk hin. Es ist die „Sühne Kapelle“, im Volksmund auch „Simes Kappele“ genannt. Sie steht auf keiner eigenen Grundparzelle, wie die anderen Kapellen in Obsteig.

Der Anlass zum Bau dieser Kapelle reicht in das Jahr 1833 zurück. Theresia Auer, das vierte und jüngste Kind des Ehepaares Ambros Auer und Anna geb. Grutsch, gebar am 26.12.1833 einen Buben, ohne dass es die Mutter oder die Dorfbewohner mitbekamen. Zu diesem Zeitpunkt war sie 33 Jahre alt und ledig. Laut Eintrag in den Pfarrmatriken stammte das Kind vermutlich von einem Soldaten oder Reiter aus der Toskana. Ihre Not, ein uneheliches Kind zu gebären (war in der damaligen Zeit eine große Schande), verleitete sie dazu, das Kind zu töten und im Schnee an der Stelle zu verscharren, an der heute das „Simes Kappele“ steht.
Doch bald darauf, am 08.01.1834, ging sie unter dem Vorwand, einen geeigneten Dienstplatz zu suchen, zum zuständigen Landgericht nach Silz und gestand dort ihre schreckliche Tat.
Zuerst vom Landgericht Silz zu 20 Jahren verurteilt, erhielt sie in II. Instanz vom Appellationsgericht in Innsbruck 12 Jahre und in III. Instanz vom Höchstgericht in Wien nur mehr 5 Jahre Kerkerhaft. Theresia starb kurz nach ihrer Freilassung mit 40 Jahren an „Aufzehrung“ daheim in Finsterfiecht 23.
Der Sage nach ereignete sich beim Ort der Kindesweglegung seitdem Sonderbares. Sooft ein Fuhrwerk dort vorbeikam, blieben die Zugtiere stehen und waren längere Zeit weder durch gutes Zureden, noch durch Schläge zum Weitergehen zu bewegen. Leute sahen auch oft in der Nacht blaue Lichtlein „tanzen“. Schließlich errichtete man die Kapelle (wann ist nicht überliefert, im Bauparzellenprotokoll aus 1856 nicht eingetragen) und der Spuk hörte schlagartig auf.

Die dem Vefall preisgegebene Kapelle Aufnahme 1975, BDA.
Im Laufe der Jahrzehnte verfiel die Kapelle immer mehr und anfangs 1990 entschloss sich die Weilergemeinschaft Finsterfiecht es abzutragen und neu aufzubauen. Ernst Ennemoser war für die Organisation und den Aufbau der Kapelle zuständig. Es wurde auch das Bild „Heiliger Wandel“, das auf einem Bauernhof gelagert war, aufgehängt und auf dem Balken darunter schnitzte Johann Grutsch die Daten „26.12.1833 – IHS – 14.10.1990“. Florian Gaßler, der auch fleißig mithalf, setzte einen Kirschbaum ein.

Ernst Ennemoser mauerte die Kapelle auf, Florian Gassler halt ihm dabei. Aufnahme vom Jahr 1990.
Am Sonntag, 14.10.1990, war es dann so weit. Bei strahlendem Sonnenschein und unter der Teilnahme von zahlreichen Menschen, der Musikkapelle, der Schützen und einer Feuerwehrabordnung zelebrierte Pfarrer German Erd die Messe und nahm die Einweihung des neu errichteten „Simes Kappele“ vor.


Einmarsch der Musikkapelle (Fahnenträger Richard Schweigl geb. 1923, gest. 2004) und der Schützenkompanie. Im Hintergrund die Finsterfiechter Kapelle.

Im Anschluss wurde der traditionelle „Finsterfiechter Kirchtag“ im Bangart vom Ehrwalder abgehalten. Der Reinerlös wurde für den Neubau verwendet, ebenso gab die Gemeinde einen Zuschuss von öS 10.000 und auch Hubert Granbichler sowie alle Finsterfiechter unterstützten dieses Vorhaben tatkräftig.
weitere Fotos:
- Originaleintrag aus Pfarrmatriken 1800
- Eintrag 1833 im Totenbuch
- intrag 1833 im Totenbuch
- Aufnahme ca. 1990
- Aufnahme von 1986
- Aufnahme ca. 1990
- Bauarbeiten 1990
- Bauarbeiten 1990
- Bauarbeiten 1990
- Bauarbeiten 1990
- Balkengravur von Johann Grutsch
- Musikkapelle, 1990
- Bild: Heiliger Wandel
- Pfarrer German Erd, 1990
Information von: Ernst Ennemoser, Pfarrmatriken Obsteig, Chronikband 1990 von Hubert Stecher, Text und Fotos: J.M. Faimann – Chronik Obsteig
















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