15. Juni – Veitstag

Nach St. Veit wendet sich die Zeit, alles geht auf die andere Seit’.

(Bauernregel)
Der 15. Juni ist in der katholischen Kirche dem St. Vitus, dem heiligen Veit geweiht. Der hl. Veit ist der Schutzpatron der Apotheker, Gastwirte, Bierbrauer, Winzer, Kupferschmiede, Tänzer und Schauspieler, der Sachsen, der Jugend und der Haustiere. Er wird angerufen, um Krämpfe, Epilepsie, Tollwut, Veitstanz˟, Bettnässen und Schlangenbiss zu heilen. Lange Zeit galt er auch als der Tag des Sommerbeginns, der Sonnwende.

Der Legende nach gaben seine Eltern Veit als Kind der Amme Crescentia, die ihn im christlichen Glauben unterrichtete. Als sein Vater davon erfuhr, wollte er seinen Sohn vom Glauben abbringen und später umbringen. Veit floh nach Lukanien, wo Veit allerlei Wunder wirkte. Als Kaiser Diokletian von dem Jungen hörte, holte er ihn nach Rom, weil Veit seinen Sohn, der von einem bösen Geist befallen war, heilen sollte. Obwohl Veit dies gelang, sollte er seinen Glauben aufgeben und den heidnischen Göttern opfern. Als Veit sich wieder weigerte, wurde er in siedendes Öl geworfen.

In der Obsteiger Geschichte markierte der Veitstag, jenes Datum, ab welchem die Mötzer angehalten waren, den Obsteigern die Ableitung des Wassers aus dem neu errichteten Mooswaldwaal zu gestatten.

Im Jahre 1676 hatte die Gemeinde Mötz die Nachbarn aus Obsteig verklagt, weil jene einen Wasserwaal vom Sturlbach in den Mooswald neu gegraben hatten und damit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes „das Wasser abgegraben“ hatten. Richter Johann Rudolf Schmid in Petersberg führte einen im Sinne des ansonsten guten Miteinanders Vergleich herbei, indem er beiden Seiten das Recht am Wasser sicherte. Die Mötzer bis zum Veitstag, die Obsteiger ab dem Veitstag.

Der Mooswaldwaal ist westlich des Sturlbachs etwa 250 Meter unterhalb der Sturlbachbrücke als Einschnitt Richtung oberer Mooswald noch deutlich zu erkennen. Dieser Waal führt ca. 500 m im Mooswald weiter, westlich am Kreidmahd vorbei.

Demnächst gibt es noch mehr zu den Obsteiger Waalen auf dieser Webseite.

Quellen:
Helene Kostenzer, Otto Kostenzer: Alte Bauernweisheit : Von Wetterregeln und Lostagen, Mondeinflüssen und Pflanzzeiten, Heil- und Gewürzkräutern, Sauerkraut und Speck. Rosenheimer (Verlagshaus Förg), 1975, S. 30.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:German_Martyrdom_of_Saint_Vitus.jpg
https://www.huntington-info.at
Veitstanz˟:

Der Veitstanz, auch als Chorea Huntington bezeichnet, ist eine Nervenkrankheit, die erstmals 1841 von C. O. Waters beschrieben worden ist. Benannt wurde sie 1872 nach dem amerikanischen Nervenarzt George Huntington (1850–1916) aus Ohio. Er erkannte, dass es sich um eine Erbkrankheit handelt, bei der normale Bewegungsabläufe durch nicht kontrollierbare Bewegungen zeitweilig unterbrochen werden. So kann der Eindruck eines "Tanzes" entstehen.

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-38-2008/was-ist-eigentlich-ein-veitstanz

Aktuelles zum 15. Juni auf: Blog 6416 – Nachrichten aus Obsteig:  https://liste6416.org/

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Quelle: Chronik Obsteig