in Chronik 2004 - 2005, Kapellen von Obsteig

Unser Ortschronist und früherer Volksschuldirektor Hubert Stecher, hat in mühevoller Arbeit ein Büchlein über die Obsteiger Kapellen und wie sie „erwandert“ werden können, zusammengestellt. Dieses wunderbare Werk wird am Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 20.00 Uhr im Widum der Bevölkerung vorgestellt. Ich möchte Euch alle auch im Namen des Verfassers recht herzlich dazu einladen.

Ihr Bürgermeister Mag. Gerald Schaber

 

Wenn Kapellen erzählen…

Stecher, Hubert. Der Obsteiger Kapellenweg. Pircherdruck, 2005, 44 Seiten

Kapellen erzählen viel über die Geschichte eines Dorfes und seiner Bewohner.

Titelseite

Ihre Sprache ist eine Sprache in Bildern und Symbolen. Ihre Bedeutung wur­de mündlich weitergegeben. Die jüngere Generation, die Gäste brauchen heute jemanden, der ihnen die Botschaft der Kapellen übersetzt und ihren Blick für die Kostbarkeiten der unmittelbaren Umgebung schärft. Wer erkennt heu­te noch einen Heiligen an seinen Attributen? Wer weiß noch, auf welche Bibelstelle ein bestimmtes Gemälde Bezug nimmt und warum genau dieses Bild ausgewählt wurde? Ohne Erklärungen bleibt der Betrachter auf seine momentanen, spontanen Eindrücke beschränkt.

Obsteig kann sich glücklich schätzen, jemanden wie Hubert Stecher im Ort zu haben, den Fachwissen und persönlicher Einsatz gleichermaßen auszeichnen. Schon im Jahre 2004 legte er eine umfassende, minutiös recherchierte Dokumentation aller Obsteiger Kapellen vor. Von diesem großformatigen Werk gibt es nur zwei Exemplare, eines in der Bibliothek und eines beim Bürgermeister. Ursprünglich waren es die Lehrerinnen der Volksschule und Brigitte Thurner (die Organisatorin der Obsteiger Kapellenwanderungen) gewesen, die Bedarf an einer entsprechenden Informationsquelle angemeldet  hatten. Immer wieder waren in der Vergangenheit Fragen zum Thema Kapellen unbeantwortet geblieben. Entsprechend froh war man nun endlich, ein Nachschlagewerk zur Verfügung zu haben, dem nicht zuletzt auch Landeskonservator HR Dr. Franz Caramelle großes Lob aus­sprach.

Tourismusverband und Gemeinde, die den Wert der vorliegenden Arbeit Hubert Stechers erkannten, wünschten sich sodann eine handlichere Version des Kapellenführers, um ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Das Ergebnis ist das im Oktober erscheinende Buch.

Der Obsteiger Kapellenweg.

Johannes M. Faimann mit dem Autor Hubert Stecher.

Johannes M. Faimann mit dem Autor Hubert Stecher.

Es begleitet den Interessierten von Kapelle zu Kapelle. Es bietet Geschichte und Geschichtchen zu den Kapellen und Bildstöcken, aber auch viel Wissenswertes zu den Obsteiger Weilern. Die tausend Exemplare umfassende erste Ausgabe des Kapellenführers wird ab Mitte Oktober bei den Geschäftsstellen des TVB Mieminger Plateau & Fernpass-Seen erhältlich sein.

 

 

 

Präsentation

Für die Redaktion ist es eine große Freude, schon heute eine Leseprobe anbieten zu können.

,,Simes Kappele“

Auf halbem Weg zwischen Thal und Finsterfiecht steht am südlichen Wegrand eine kleine, offene Kapelle. Sie sieht neu und gepflegt aus und über dem Rundbogen steht die Schrift „Sühne Kapelle“. Ihr Vorgängerbau war völlig verfallen und der jetzige stammt aus dem Jahr 1990. Im Inneren hängt ein Bild aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das Maria, Josef und den Jesusknaben beim Spaziergang zeigt, darüber Gott Vater, die Heiliggeisttaube und zwei behelmte Heilige.  Am unteren Bildrand erkennt man die Armen Seelen im Fegefeuer. Ein Balken unterhalb des Bildes trägt die Daten: ,,26.12.1833 IHS 14.10.1990″. Der Andachtsraum wird durch ein schönes Schmiedeeisengitter abgeschlossen.

Das erste Datum auf dem Balken bezieht sich auf die Tötung eines Kindes, die an diesem Tag geschah, das zweite auf den Tag der Einweihung der neuen Kapelle. Ein Vermerk in der Pfarrchronik erzählt vom Geschehen im Jahr 1833 sinngemäß:

Die ledige Theresia Auer aus Finsterfiecht gebar am zweiten Weihnachtstag ein Kind, das sie von einem durchziehenden Soldaten aus der Toskana empfangen hatte. Aus Furcht vor ihrer Familie tötete. sie es gleich nach der Geburt, wickelte es in ein Leintuch und trug es bei Nacht an die Stelle, wo heute die Kapelle steht. Dort verscharrte sie es unter Schnee und etwas Erde.

Nach Neujahr machte sie sich zum Gericht nach Silz auf und erstattete Selbstanzeige. Daraufhin wurde sie in den Kerker geworfen und eine Gerichtskommission fand nach kurzer Suche die Leiche des Kindes, das in der folgenden Nacht auf dem Friedhof heimlich beigesetzt wurde.

Der Gerichtsprozess gegen die Kindesmörderin ging durch drei Instanzen bis zum Höchstgericht nach Wien. Nach der Verbüßung ihrer Strafe lebte die Frau nicht mehr lange.

Dieser nüchterne Bericht in der Pfarrchronik von Obsteig geht nicht auf die unglaubliche Tragik ein, die hinter dem Geschehen verborgen ist. Ein uneheliches Kind war zur damaligen Zeit eine Schande und Schmach, nicht nur für die Mutter selbst, sondern auch für ihre Familie. . .

Kapellenwanderung 2005

Am 02. Juni 2005 fand die Kapellenwanderung speziell für Frauen statt.

Mit kurzen Besinnungs- und Gebetspausen begleitete uns Brigitte Thurner zu den Kapellen in Wald, Thal , “ Simes -Kapelle“ und Finsterfiecht. Um die Möglichkeit des gemeinsamen Treffens und Diskutierens zu nut­zen, kehrten wir anschließend im Gasthof Alpina ein.

 

 

Für den Inhalt verantwortlich : Hubert Stecher
Fotos : Hubert Stecher
Herausgeber: TVB Mieminger Plateau und Fernpass-Seen
Druck: Druckerei Pircher, 6430 Ötztal – Bahnhof

Entstehung:

Die Gemeinde Obsteig hat vierzehn Ortsteile, die zum Teil weit voneinander liegen. In nahezu jedem dieser Weiler steht eine Kapelle, wie es eigentlich in fast ganz Tirol und Südtirol üblich ist. Im Jahre 2004 verfasste der Ortschronist Hubert Stecher eine genaue Dokumentation über die Obsteiger Kapellen und ihre Kunstschätze. Daraufhin regte Bürgermeister Mag.Gerald Schaber an, darüber eine Kleinschrift für die Bevölkerung und die Gäste anzufertigen und herauszubringen, was auch vom Gemeinderat befürwortet wurde. So konnte im Sommer 2005 das Büchlein „Der Obsteiger Kapellenweg“ fertiggestellt werden. Als Herausgeber fungiert der Tourismusverband Mieminger Plateau und Fernpass- Seen.

Ziele:

  1. Die Kapellen bergen eine große Menge an religiöser Kleinkunst, deren Ursprung, Stil und Bedeutung heute nur mehr wenigen Menschen bewusst ist. Altäre, Figuren und Bilder sind zwar interessant anzuschauen, teilen vielen Betrachtern aber nur mehr wenig mit. Sie zu erklären und auch den heutigen Menschen näher zu bringen, war eine der Aufgaben.
  2. Die landschaftlichen Schönheiten Obsteigs sind bekannt. Ein guter Teil des Gemeindegebietes steht unter Landschaftsschutz. Beim Wandern durch die Vielfalt unserer Natur kann die Schönheit unserer Umgebung noch tiefer erlebt werden.
  3. Den Menschen dabei auch ein wenig heimatkundliches und geschichtliches Wissen zu vermitteln, war eine weitere Zielsetzung.

 

Daher ist das Büchlein ( Format A5, 46 Seiten) als Anregung zu einem Wanderweg von Kapelle zu Kapelle angelegt.

Dieser Weg beginnt bei Fronhausen mit dem Zufahrtsweg zur Burg, dem Wasserfall und der Kapelle von Klamm. Vom abgelegenen Klammtal mit einer fast vergessenen kleinen Kapelle geht es hinauf in die Weiler Wald, Thal und Finsterfiecht und zum ,,Simes Kappele“ mit seiner traurigen Entstehungsgeschichte .

Heimatkundlich Interessantes findet man unter anderem auch in Holzleiten, Aschland und Weisland mit seinem besonders schönen Altarbild.

Wenig bekannt dürfte auch die Entstehungsgeschichte der Kapelle in Arzkasten sein. Die Kapellen von Oberstraß und Gschwent bergen wertvolle barocke Einrichtungen, wobei besonders Gschwent auch Seltenheiten für volkskundlich Interessierte zu bieten hat.

Der Kapellenführer wäre ohne Hinweis auf die beiden Kreuzkapellen von der Simmering- und Marienbergalm nicht vollständig.

Der „Obsteiger Kapellenweg“ kann als Rundwanderweg oder nach eigener Befindlichkeit in Teilstücken erwandert werden. Karten zur besseren Orientierung ergänzen die reich bebilderte Kleinschrift.

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Quelle: Gemeinde Obsteig

Orginaldokument: Der Obsteiger Kapellenweg