in Chronik 2004 - 2005

Wer arm, alt, oder krank ist, ist auch heutzutage sehr zu bedauern. Durch verschiedene Sozialgesetze oder andere soziale Maßnahmen privater Natur kann wenigstens manches von der Härte abgefedert werden. Heute gibt es Mindestrenten, Mietzinsbeihilfe, Pflegegeld, Sozialhilfe, Krankenkasse, Sozialsprengel, Hospizeinrichtungen von öffentlicher Seite und Caritas oder Diakonie – kirchliche Einrichtungen. Trotzdem muss jeder mit der Bürde seines Schicksals fertig werden.                        ·

In früheren Jahrhunderten traf es solche Menschen oft ungleich härter. Viele kümmerten krank, alt und mittellos dahin. Dabei waren noch jene zu beneiden, die in einer Großfamilie lebten, die sich um das Schicksal der Betroffenen kümmerte und wenn es an der Zeit war, ,,im Kreise ihrer Lieben“ Abschied nehmen konnten.

Schon im Mittelalter wurde man auf die Probleme alleinstehender Armer oder Kranker aufmerksam und in manchen Städten entstanden schon früh Krankenanstalten der Stadt oder eines Ordens. Vielfach gab es auch solche Einrichtungen entlang der Pilgerwege oder der Durchzugsstraßen. Den Anstalten wurden oft Gotteshäuser angegliedert, heute noch kennt man da und dort die „Spitalskirche“ oder auch eine „Heilig-Geist-Kirche“ ( Heilig-Geist­ Kirchen waren oft Spitalskirchen).

Auf dem Land oblag es der Gemeinde, sich um diese Menschen zu kümmern. Entweder mussten sie Unterstützung gewähren oder ein eigenes Haus für die Menschen unterhalten. Manchmal tat es auch ein ansässiger Orden. So kennt man schon seit langer Zeit die Versorgungshäuser in Untermieming oder Nassereith oder das „Klösterle“ in Silz oder Imst.

Jede Gemeinde war verpflichtet, einen „Armenfonds“ zu unterhalten, um bei Notfällen helfend eingreifen zu können. Die Aufteilung dieses Armenfonds war auch ein wesentlicher Bestandteil jenes Vertrages, den die drei neugeschaffenen Gemeinden auf dem Miemingerberg anlässlich der Gemeindeteilung im Jahr 1833 neben der Betreuung der Feuerspritze schließen mussten. (Ein deutliches Beispiel für diese Gemeindeverpflichtung ist ein Schreiben an die Gemeinde Obsteig aus dem Jahr 1839. Siehe eines der folgenden Blätter!)

Heute ist die Lage in Österreich so, dass noch ca. 80% der Alten und Kranken von Angehörigen (oft auch Kindern) betreut werden, wenn auch vielfach mit Unterstützung eines Sozialsprengels oder einer Familienhilfe. Doch die familiären und auch räumlichen Voraussetzungen stehen dem oft im Wege: Kleinfamilien, Arbeitsbedingungen, Zwei- Drei- Zimmerwohnungen, Berufstätigkeit der Tochter/des Sohnes usw. Oft bleibt wirklich nur ein Pflege­ oder Seniorenheim der einzige Weg.

Bereits im Jahr 1322 gab es in See ein „Siechenhaus“. Um 1880 hatte die Gemeinde Mieming in Mötz ein Armenhaus (Mötz gehörte bis 1959 zur Gde. Mieming).

In Untermieming stiftete der Bauer Andres Vogel sein Gut samt Inventar dem Untermieminger Frühmesser um 1887 mit dem Auftrag, es für sein Seelenheil zu verwenden. Es sollte für gute Zwecke verwendet werden. Wurde es zuerst für die Betreuung und Ausbildung heranwachsender Jugendlicher in den Dienst gestellt, machte man es dann aber ab ca. 1910 zu einem Versorgungshaus unter der Leitung zweier Klosterschwestern. Es war für ca. 45 Heiminsassen Platz und es wurde laufend an moderne Pflegeerfordernisse angepasst.

In den letzten Jahren begann man mit der Planung eines modernen Sozialzentrums in Barwies. Dieses sollte nicht nur ein Senioren- und Pflegeheim werden, sondern gleich mehrere Bedürfnisse sozialer und medizinischer Art abdecken ( Pflegeheim, betreutes Wohnen, Sozialsprengel, Cafe‘ , Kindergarten, Arztpraxis). Es wurde nun fertiggestellt, Bauträger waren die vier Plateaugemeinden und Stams.

Die Vogel’sche Stiftung bleibt aber ihrer Bestimmung gerecht. Sie wird zu einem „Haus der Kinder“ umfunktioniert. Vorschulkinder werden in zwei Kleinkind-Einrichtungen betreut werden.

Die Vogel'sche Stiftung - Versorgungshaus bis 2005 Das Gebäude wurde im Jahr 1734 errichtet

Die Vogel’sche Stiftung – Versorgungshaus bis 2005 Das Gebäude wurde im Jahr 1734 errichtet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Quelle: Gemeinde Obsteig

Orginaldokument: Einweihung des neuen Sozialzentrums Mieming