Kirche und Pfarre von Obsteig

Inhalt

Das Kirchengebäude

Äußeres
Inneres

Die Pfarre von Obsteig

Religiöse und verwaltungsrechtliche Grundlagen
Der Kirchenbau und die Einrichtung der Seelsorge
Der Turm
Der Friedhof
Die Zeit nach der Erhebung zur Pfarrei

 

Die Priester

P. Lambert Schatz
P. Alberich Pixner
P. Edmund Ganner
P. Gualbert Thöni
P. Alberich Gerards
P. Alberich Svarc
P. Maurus Grebenc
P. Stefan Köll
P. German Erd
P. Augustin Neumüller
P. Andreas Rolli

 

Priester in Untermieming bis zu Errichtung der Lokalkaplanei Obsteig
Lokalkaplanei von Obsteig
Pfarrer von Obsteig ab der Pfarrerhebung 1891
Kooperatoren ab 1850
Priester und Ordensleute aus Obsteig

Kapellen in Obsteig
Religiöse und andere Bräuche im Jahreslauf


Das Gebäude
Äußeres
Die dem Hl. Josef geweihte Kirche steht inmitten des Obsteiger Ortsteiles Unterstrass und ist
direkt an der Straße gelegen. Gemeinsam mit dem Widum und dem Ansitz Schneggenhausen,
einem ehemaligen landesfürstlichen Freilehen (erstmals 1336 schriftlich erwähnt) mit den
schönen Gebäudemalereien bildet sie ein bemerkenswertes Ensemble.
Zu ihr gehören der Friedhof mit der Lourdeskapelle, die Aufbahrungshalle (1984 geweiht)
und das Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1923.
Der nach außen schlicht gehaltene Bau (wahrscheinlich von Baumeister Josef Perwög in Silz)
ist von Norden nach Süden gerichtet und durch flache Pilaster gegliedert. Er misst 23 Meter in der
Länge und 10 Meter in der Breite. Mit diesen Maßen passt die Kirche in das Gesamtbild der
Tiroler Landkirchen. Dass sie in der Barockzeit (um 1770) errichtet wurde, zeigt nur der
schön geschwungene Giebel der Nordfassade. Dort befindet sich über dem Rundbogenportal
auch das nicht signierte Fresko des Hl. Josef mit dem Jesusknaben (um 1770) und dem
Schriftblatt,,Gehet zu Joseph“.
In ganz Nordtirol gibt es 11 Kirchen, die dem Hl. Josef geweiht sind. Die Josefverehrung
begann in unserem Land erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu greifen, denn im
Jahr 1772 wurde auf Wunsch der Habsburger der Hl. Georg – bisheriger Tiroler Landespatron
– von Josef abgelöst. Am 21. April 2006 wurde Georg als zweiter Landespatron wieder
eingesetzt.
Acht Rundbogenfenster lockern das Langhaus und den leicht abgesetzten 5/8 Chor auf. Sechs
davon sind mit schönen Glasmalereien geschmückt. An die Ostseite sind der 36,70 Meter hohe
Turm (mit sechs Stockwerken) und die zweistöckige Sakristei angebaut, die im Jahr 1993
durch einen Zubau erweitert wurde. Der vier mal vier Meter messende Turm mit rundbogigen
Schallfenstern und Spitzhelm wurde erst in den Jahren 1834/35 errichtet.
Die West- und die Nordseite des Turms gaben seit der Erbauungszeit Anlaß zur Sorge, da
immer wieder der Putz abbröckelte. Die Nordseite konnte schließlich schon vor längerer Zeit
endgültig saniert werden, an der Westseite brachte man im Jahr 1903 eine Blechverkleidung
an. Da diese im Lauf der Jahrzehnte immer schwärzer wurde und dem Turm ein düsteres
Aussehen verlieh, entfemte man sie im Jahr 1998 wieder und brachte einen neuen Verputz an,
der aber bald wieder erneuert werden musste (s.u.). Die Farbe bei der Uhr blättert jedoch
wieder ab (2006).
Neben dem Eingang in die untere Turmstube hängt die Grabplatte Johann Peter Hirns (1770 –
1838), des Besitzers der Burg Klamm. Als feuriger Freiheitskämpfer befehligte er im Jahr
1809 die Schützen des Mieminger Plateaus und war ein enger Freund Andreas Hofers. Er gab
dem Land Tirol in der größten Notzeit ein großzügiges Darlehen und war ein großer
Wohltäter der Armen von Obsteig.

Das Innere

Der Innenraum der Kirche wirkt hell, lichtdurchflutet und geräumig. Die Helligkeit kommt von den acht Fenstern, das hohe Stichkappengewölbe nimmt alles Drückende und Düstere.
Außerdem besticht das Innere durch seine einheitliche barocke Ausstattung, die aber nicht überladen wirkt. Das dreijochige Langhaus wird durch einen eingezogenen rundbogigen
Triumphbogen vom Presbyterium abgetrennt.
Die drei Altäre stammen aus der Erbauungszeit der Kirche.
Der viersäulige Hochaltar mit korinthischen Kapitellen zeigt das Bild des Kirchenpatrons Josef als Fürbitter. Er trägt den Jesusknaben auf dem Arm und hat ihm eben eine Bittschrift der Gläubigen übergeben, wobei als Vermittler ein Priester half. Das zeigt das damalige Verständnis der Hierarchie der Kirche: Gläubige – Priester – Heilige und Gott.
Während Jesus gerade einen Bittzettel unterschreibt, gibt Josef dem Priester das vorher unterzeichnete Schreiben zurück, auf dem steht : ,,Für einen seeligen Tod- fiat (es soll geschehen)“. Den Hl. Josef rief man allgemein als Fürbitter um eine gute Sterbestunde an.
Volkskundlich interessant macht dieses Gemälde die damalige Kleidung der Leute. Sie ist die Tracht des mittleren Oberinntals. Das Bild stammt vom Reuttener Künstler Franz Anton
Zeiller um 1773.
Die beiden Seitenaltarblätter sind nicht signiert und datiert, stammen jedoch nach der Kirchenrechnung auch aus der Erbauungszeit.
Der linke Seitenaltar zeigt das Bild des Hl. Aloisius mit Maria und Jesuskind. Aloisius von Gonzaga (* 1568, + 1598), Jesuit, gilt als Patron der Jugend, besonders der Studierenden, und
wurde allgemein als Fürbitter um eine reine (heute würde man sagen enthaltsame, sucht- und drogenfreie) Jugend angerufen. Attribut für ihn ist die Lilie. Es gab in Obsteig im 19. Jahrhundert auch ein eigenes Aloisiusbündnis der Jugendlichen.
Das rechte Altarblatt stellt den Hl. Isidor, den Patron der Bauern, dar. Der Bauersmann aus der Gegend um Madrid führte ein Leben der Arbeit, des Gebetes und der Nächstenliebe und
starb in hohem Alter im Jahr 1130. Er wird häufig betend oder lesend (hier in vornehmer Kleidung) dargestellt, während ein Engel mit weißen Stieren seine Felder bearbeitet. Dieses
Thema wurde aus der ehemaligen Mutterpfarre von Obsteig, Untermieming, übernommen, wo es noch heute jährlich eine Isidor-Prozession gibt. Die Leute beider Pfarreien lebten
ursprünglich nur von der Landwirtschaft.
Martin Falbesoner aus Nassereith ist der Künstler, der 1773/74 die vierzehn Figuren auf den Altären schnitzte.
Am Hochaltar stehen links Joachim und rechts Anna, die Eltern von Maria (bez. Falbesoner 1773). Joachim stammte aus einem Dorf nördlich von Nazareth und lebte später mit Anna in
Jerusalem am Schaftor. Erst nach 20-jähriger Ehe wurde ihm von einem Engel ein Kind versprochen und schließlich wurde Maria in Nazareth geboren. Die Darstellungen zeigen
Joachim oft mit Tauben auf dem Arm, die er als Opfergabe für sein Kind in den Tempel brachte. Er gilt als Patron der Eheleute.
Über das legendäre Leben Annas wird kaum berichtet. Ihre Verehrung erlebte aber im ausgehenden Mittelalter ihren Höhepunkt als Ausdruck der Mütterlichkeit und noch heute gibt
es in Europa zahllose Verehrungsplätze, die ihren Namen tragen. Die Zahl der Berufe und Anliegen, für die sie als Patronin angerufen wird, ist größer als die der meisten anderen
Heiligen. Eine Figur der, „Mutter Anna“ mit ihrer Tochter Maria wird in Obsteig auch von Frauen bei Prozessionen mitgetragen.
Am Altaraufsatz stellen die beiden Figuren den Evangelisten Johannes (links) und den Apostel Andreas dar.

Johannes war nach der Überlieferung der einzige Apostel, der nicht als Märtyrer starb. Er und seine Schüler schrieben das große Johannesevangelium und die Offenbarung. Johannes wird
daher mit einer Schreibfeder dargestellt. Er war der jüngste der Apostel und jener, den Jesus ,,sehr liebte“. Johannes war auch der einzige Apostel, der gemeinsam mit Maria Jesus bis zur
Hinrichtung folgte. Zu Maria sagte Jesus am Kreuz ,,Siehe da, dein Sohn“ (Johannes) und zu ihm ,,siehe da, deine Mutter“ (Joh. 19126-27). Unter Kaiser Domitian (81-96) auf die Insel
Patmos verbannt, zog er nach dessen Tod nach Ephesus und starb im Jahr 100 in sehr hohem Alter. Die Zahl seiner Patronate ist sehr hoch, sie beziehen sich vor allem auf Beamte und
viele andere Berufe, die mit Schriften befasst sind.
Andreas war der Bruder von Simon Petrus, in Galiläa geboren und Fischer am See Genesareth. Nach einer Jüngerschaft bei Johannes dem Täufer folgte er Jesus nach. In den Evangelien wird nicht viel über ihn berichtet, doch nach der Auferstehung Jesu missionierte er in den Gegenden südlich des Schwarzen Meeres und in Teilen Griechenlands. Bei einer
Christenverfolgung unter dem Statthalter Aegeates erlitt er in Patras im Jahr 60 den Tod am ,,schrägen Kreuz“, dem Andreaskreuz in X-Form. (Noch heute werden die Verkehrszeichen in
dieser Form vor Bahnübergängen als ,,Andreaskreuze“ bezeichnet). Fischer, Bergleute und Metzger verehren ihn als ihren Patron.

Der Aufsatz des Hochaltars wird von der Darstellung Gottvaters mit der Erdkugel abgeschlossen. Es entspricht den damaligen Vorstellungen, dass Gott ein alter Mann mit langem weißem Bart sei. Die Halbfigur Gottes wird von einem Engel begleitet. Darunter schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.
Besonders schön ist die gänzlich blattvergoldete Tabernakelzone gearbeitet, die in den Jahren 1880 und 1942 gründlich restauriert wurde und noch heute wie neu wirkt. Der drehbare
Schrein, der die Monstranz und das Ziborium birgt, wird durch eine Kreuzdarstellung abgedeckt. Die Reliefs daneben zeigen das Opfer Abels links und Moses mit den Gesetzestafeln rechts.
Abel war nach dem Buch Genesis im Alten Testament ein Sohn Adams und Evas. Er und sein älterer Bruder Kain brachten dem Herrn getrennt ein Opfer dar. Weil der Rauch Abels aber
schöner zum Himmel stieg als jener Kains (Kain glaubte, Gott wolle das Opfer Abels lieber als seines), erschlug er aus Neid seinen jüngeren Bruder (1 Mos. 3-6). Gott strafte ihn dafür mit einem Feuermal auf der Stirn, das ihn für immer als Mörder kennzeichnete.
Das Opfer Abels dagegen wird in der Kirche als symbolischer Vorläufer für das Kreuzesopfer Christi gedeutet.
Moses gilt als Befreier der Stämme Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft. Er führte sie aus der Sklaverei des Pharaos Ramses II. (1290-1224 v. Chr.) durch das Schilfmeer, zur
Halbinsel Sinai und nach jahrelanger Wanderung ins ,,gelobte Land“ Kanaan (Palästina). Auf dem Berg Sinai brannte ihm Gott die Zehn Gebote auf zwei Steintafeln, die die Verehrung
Gottes (die drei ersten Gebote) und das Zusammenleben der Menschen im Grunde noch heute regeln.

Die Tabernakelzone wird von zwei knienden Engeln und zwei Aufsatzputten vervollständigt.
Dahinter befinden sich auf beiden Seiten Reliquienschreine verschiedener Heiliger. Die Reliquienverehrung war durch viele Jahrhunderte in der Kirche üblich, ja der einträgliche Handel mit ihnen blühte zeitweise gewaltig auf. Ob es sich dabei tatsächlich immer um echte Knochenspäne, Haarteile oder Zahnbruchstücke von Heiligen handelte, sei dahingestellt, jedenfalls wurde damit viel Geld gemacht. Einzig und allein ein Partikel vom Kreuz Jesu in der Wettermonstranz von Obsteig ist vielleicht ernst zu nehmen. Die römische Kaisermutter Helena (257-336 n. Chr.) hat nach der Überlieferung das Kreuz Jesu in Jerusalem aufgefunden. Doch woher Obsteig einen Span davon hat, ist nicht bekannt. Vielleicht stammt die Wettermonstranz aus dem Stift Stams, das über eine große Reliquiensammlung verfügte.

Auf dem linken Seitenaltar stehen neben den Säulen die Apostel Simon (links) und Jakobus. Über Simon den Älteren wird im Neuen Testament fast nichts berichtet. Nach der Überlieferung missionierte er in Persien und Babylonien und ist nach der Legende bei lebendigem Leib mit einer Säge zerschnitten worden. Daher wird er mit einer Säge dargestellt.
Jakobus, ein Verwandter Jesu, war lange Zeit ein Kritiker des Messias. Doch nach dessen Himmelfahrt und dem Pfingstwunder wurde er ein vehementer Verfechter des Evangeliums.
Er wurde nach einem eifrigen Leben für die Botschaft Jesu in Jerusalem von den Tempelzinnen gestürzt und, weil er danach noch lebte, mit einer Keule erschlagen. Mit einer solchen wird er auch hier dargestellt.
Von den beiden weiblichen Heiligen am Aufsatz des linken Seitenaltars ist nur Elisabeth (rechts) zu identifizieren. Sie stammte aus Ungarn und heiratete schon in Kindesjahren den
Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen, dem sie drei Kinder schenkte. Sie setzte ihre ganze Lebenskraft für die Armen ein, nachdem ihr Mann in einem der Kreuzzüge im Jahr 1227 starb. Völlig verarmt starb sie nach einem Leben der Entsagung mit 24 Jahren 1231. Sie ist die Patronin der Caritas und der Bettler, Witwen und Waisen.

Die zwei unteren Heiligen des rechten Seitenaltars sind Franziskus (links) und Antonius.
Franziskus (Franz von Assisi): Als vornehmer Sohn eines reichen Kaufmannes geboren und herangewachsen, führte der vermögende junge Mann ein sorgloses Leben mit Frauen,
Verschwendung, Tanz und Wein. Der auf den  Namen Johannes Getaufte geriet in französische Gefangenschaft und wurde danach allgemein der ,,Francesco“ genannt. Bald nach der Gefangenschaft verzichtete er auf sein großes Vermögen und ging auf ein Leben völliger Entsagung und Meditation ein. Dabei gründete er den Orden der ,,minderen Brüder“
(Franziskaner und Kapuziner), dem sich auch die heilige Clara als weiblichen Zweig (Orden der Clarissinen) anschloss. Die zwei männlichen Orden sind bei uns seit dem 13. Jahrhundert
sehr bekannt, die Clarissinnen weniger.
Franziskus, der ein Leben der Einfachheit und Gerechtigkeit predigte, löste in seiner Zeit eine gewaltige religiöse Erneuerungsbewegung aus, die auch bei Reichen und Politikern
Bedeutung hatte, da auch im höchsten Adel überall Gewinnsucht, Unrecht und Gewalt an der Tagesordnung waren.
Im Wald von Greccio bei Assisi stellte er erstmals eine (lebende) Weihnachtskrippe dar. Die heutigen Krippen gehen auf seine Initiative zurück. Im Jahr 1224 erhielt er die ersten
historisch belegten Wundmale Jesu in Hände, Füße und in die Brust. Franz von Assisi, der ein besonders gutes Verhältnis zur Natur und ihren Geschöpfen hatte, wird vor allem am 4.
Oktober, dem Welttierschutztag, verehrt. Er starb bereits mit 45 Jahren im Jahr 1226. Schon 1228 wurde er heiliggesprochen. Seine Aussagen und Schriften wirken noch heute nach.
Dargestellt wird er wegen seiner Stigmatisierung oft mit einem Kreuz in der Hand. Er ist der Patron Italiens, der Sozialarbeit und des Umweltschutzes.

Antonius von Padua (rechts) war einer seiner Nachfolger. In Lissabon geboren, geriet er zuerst als junger Prediger nach Marokko, musste aber wegen einer Erkrankung nach Europa
zurückkehren. Überall erregte er Aufsehen wegen seiner berühmten Predigten. Franz von Assisi ernannte ihn zum Lektor der Theologie in Bologna. In Arcella bei Padua mit 36 Jahren
gestorben (123I) wurde sein Leichnam nach Padua übertragen. Im kürzesten Heiligsprechungsprozess der Geschichte wurde er 1232 heiliggesprochen. In den Darstellungen trägt er oft das Jesuskind auf den Armen. Seine Patronate sind vielfältig. Besonders betet man zu ihm um Auffindung verlorener Sachen und um eine gute Ehe.

Am Aufsatz sehen wir links Katharina und rechts Barbara.
Katharina war eine hochgebildete gläubige Frau in Alexandria (Ägypten) , die im Altertum vom römischen Kaiser zum Tod durch das Rädern mit scharfen Eisenspitzen verurteilt wurde.
Aus den Wunden Katharinas floss Milch statt Blut. Engel trugen nach der Legende ihren Leib auf den Berg Sinai, wo über ihrem Grab das heute noch bestehende Katharinenkloster steht. Das Leben und der furchtbare Tod der überaus schönen, anziehenden und stolzen Frau lesen sich wie ein tragischer Roman. Die Darstellung Katharinas kennt mehrere Attribute: Ein zerbrochenes Rad, Schwert oder hier in Obsteig eine Märtyrerpalme. Sie ist unter anderem die Patronin der Bibliotheken, Philosophen und Notare.
Barbara (rechts) war im Altertum die Tochter eines gewissen Dioskuros in Kleinasien. Als Christin wurde sie während der Christenverfolgung vom eigenen Vater in einen Turm
gesperrt und starb im Jahr 306 einen qualvollen Martertod, während ihr Vater auf dem Richtplatz von einem Blitz erschlagen wurde.

Sie zahlt wie Katharina zu den vierzehn Nothelfern. Ihre Patronate betreffen vor allem die Bergleute und Tunnelarbeiter (viele Statuen vor den Stollen und darüber hinaus Kapellen)
Am Barbaratag (4. Dezember) werden Kirschzweige abgeschnitten und in die Stube geholt. Sie sollen zu Weihnachten blühen.

Ein weiteres Werk Falbesoners ist die rechts in einem Figurenschrein stehende Gruppe des Schutzengels. Die Tradition eines Engels, der die Menschen beschützt, geht bis in das Alte
Testament zurück. Dort gab es die Meinung, dass dem Menschen nicht nur ein guter, sondern auch ein böser Engel zur Seite stünde. Doch im Neuen Testament änderte sich das und seit
dem 9. Jahrhundert wird der persönliche Engel für die Gläubigen zu einer christlichen Glaubenswahrheit. Er beschützt die Menschen nicht nur vor leiblichen Gefahren, sondern auch vor schlimmen Handlungen mit bösen Folgen an Leib und Seele.
Sein Fest wird anfangs September am Schutzengelsonntag begangen. Der Engel war der Schutzheilige des Junggesellenbundes, den es früher in Obsteig gab und dem fast ausnahmslos jeder Unverheiratete angehörte. Die Figur und die ,,Burschenfahne“ werden heute noch von Jugendlichen bei den Prozessionen mitgetragen.
Die ,,Immaculata“ im linksseitigen Figurenschrein ist das Gegenstück dazu. Sie war die Schutzheilige des Jungfrauenbundes und wird von unverheirateten Frauen getragen. Die Figur
wurde im Jahr 1903 von Frl. Agnes Föger aus Finsterfiecht beim Bildhauer Josef Bachlechner in Hall (1871-1923, geboren in Bruneck) angekauft. Bachlechner ist der bedeutendste
Vertreter der Neugotik in Tirol. Er schnitzte zahlreiche Altife fir Mitteleuropa und sogar Amerika. Sein Wert ist in der Kunstliteratur unbestritten. Das Spektrum seines Schaffens reicht von Großplastiken bis zu kleinen Krippenfiguren. Er schuf auch das Titelblatt des beliebten Reimmichlkalenders.
Drei weitere Figuren (alle nazarenisch) , die nicht in der Kirche stehen, werden bei den Prozessionen mitgeführt. Ihre Schnitzer sind nicht mehr bekannt.
Eine „kleine Madonna“ (der Erscheinung Mariens in Lourdes nachempfunden) tragen die jugendlichen Mädchen.
Die ,,Mutter Anna“ mit der kleinen Maria wird von verheirateten Frauen getragen. Sie wurde von den Mitgliedern des Frauenbundes verehrt (s.o.)
Der Schutzheilige des Männerbundes (Mitglieder des Junggesellenbundes traten nach ihrer Verheiratung in den Männerbund ein) ist der „Hl. Josef“. Er wird von verheirateten Männern
mitgeführt.
Die Konsolstatue des Hl. Josef über der Sakristeitür (wo ehemals das neunte Kirchenfenster war) ist ein Werk des Obsteiger Künstlers Hermann Rieser aus dem Jahr 1949. Dass er sie um
relativ wenig Geld geschnitzt hat, ist ein Dank für seine glückliche Heimkehr aus dem Weltkrieg. Gefasst wurde sie von Josef Sailer aus Seefeld. Hermann Rieser (1916-1983) stammt aus Gschwent und lebte später mit seiner Frau Vera in seinem Haus in der Mooswaldsiedlung. Eine Lungenkrankheit, die er sich im Krieg geholt hatte, machte ihm bis zu seinem Tod zu schaffen. An ihn erinnern heute in Obsteig mehrere Brunnenfiguren und Stubenkreuze. Auch das Grab Pfarrer Thönis (+ 1940) und ein großes Kruzifix an der Südwand der Kirche sind seine Werke. Verewigt hat sich Rieser außerdem mit dem ausdrucksstarken Altarkreuz in der Antoniuskapelle von Thal.
Die fast lebensgroße Herz Jesu-Statue in der Nische der rechten Chorwand wurde von Pfarrer Gerards im Jahr 1941 aus der Pfarrkirche Zams angekauft.
Von einem Bildhauer aus See im Paznauntal, Andreas Thamasch (1639-1697) stammt wahrscheinlich die Figur des Auferstandenen, die in der Osterzeit auf dem Tabernakel steht.
Thamasch war ab 1675 Stiftsbildhauer im Kloster Stams. Die Statue dürfte nach der Einweihung der Obsteiger Kirche (1786) von dort hergekommen sein. Sie ist ein Werk ausgeprägtester, fast manieristischer Barockkunst.

Die zwei barock gehaltenen Vorsatzbilder auf den Seitenaltaren (Herz Jesu, Herz Mariä) stammen aus der Zeit um 1800.
Seit 1870 besitzt die Pfarrkirche auch ein Heiliges Grab. Jahrelang galt der Erlös der Kirchensammlung am Palmsonntag der Finanzierung dieses Großgemäldes, das während der
Karwoche das ganze Presbyterium verdeckt und in einer Art Kulissenmalerei die Ölbergszene, die Stadt Jerusalem und den Berg Golgotha darstellt. Im Zentrum steht die lichtgerahmte Grabeshöhle * bis zum Karfreitag leer und am Karsamstag mit dem Leichnam Christi. Darüber schwebt ein mit Glühbirnen erleuchtetes Kreuz. Die 19 mit farbigem Wasser gefüllten Glaskugeln sind eine alte Tiroler Tradition. Beim Ostergrab wird der Landschaftshintergrund dem Thaurer Andrä Leitl (1815-1899) zugeschrieben.
1998 wurde das Heilige Grab derart baufällig, dass man es nicht mehr aufstellen konnte. Seit dort ist es deponiert und wartet auf eine Restaurierung, die auch die gesamte
(wassergeschädigte) Malerei umfassen müsste (2006). Zum Osterfest 2008 wurde das Heilige Grab wiederaufgestellt, nachdem es von Restaurator Franz Niederhauser restauriert wurde.

Sechs der acht Fenster tragen eine Glasmalerei. Insgesamt stellen sie einen Zyklus über das Leben des Hl. Josef dar. Er beginnt links im Chor.
Die Themen der ersten beiden Fenster sind biblisch zusammengefasst – die Herbergsuche und die Geburt Christi: ,,Während sie dort (in Bethlehem) waren, geschah es, dass sich die Tage
erfullten, da sie gebären sollte, und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, hüllte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil nicht Platz für sie war in der Herberge.“ (Luk. 2,6-7).
Das linke Fenster zeigt die Abweisung des Paares durch einen Herbergswirt, das rechte die Geburt Christ. Den Traum Josefs sehen wir im nächsten Fenster: ,,Als sie (die Weisen aus
dem Morgenland) fortgegangen waren, siehe, da erschien ein Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Agypten, und
bleib dort, bis ich es dir sage; denn Herodes hat vor, das Kind zu suchen und es umzubringen.“
Und nach dem Bibeltext geht es im vierten Fenster weiter: ,,Da stand er auf, nahm in der Nacht das Kind und seine Mutter und zog fort nach Agypten. Er blieb dort bis zum Tod des
Herodes“. ( Matth. 2,13-15). Ausdrucksvoll erzählt dazu das markante Predellabild in der Kapelle zu Gschwent, das gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstanden ist und den
Kindermord zu Bethlehem darstellt.
Josef zog nach dem Tod des Herodes nach Nazareth und betrieb mit dem heranwachsenden Jesus eins Firma als Zimmerrnann (heute würde man sagen,,Baumeister“). Das fünfte Fenster
erzählt davon. Der Tod des Heiligen im letzten Fenster ist für alle tröstlich: Josef stirbt in den Armen Marias und Jesus‘. Daher wird Josef als Fürbitter für eine gute Sterbestunde
angerufen.
Die qualitativ hochwertigen Fenster wurden von F.X. Zettler (Signatur) in den Kriegsjahren 1943 und 1944 geschaffen. Zumindest in zwei Chorfenstern waren schon vorher Figuren
dargestellt, die aber wegen minderer Qualität bei der Anbringung der neuen entfernt wurden.
Das Leben Josefs ist auch das Thema der neuen Deckenfresken in der Kirche. Das Gotteshaus wurde in den Jahren 1979-81 innen restauriert. Im Zuge dessen beschloss man, vom
Innsbrucker Künstler Prof. Wolfram Köberl die Gewölbe ausmalen zu lassen. Köberl ist heute jener Tiroler Maler, der sich in den Barock am besten einfühlen kann. Zahlreiche
mitteleuropäische Kirchen und Schlösser (oft im Zweiten Weltkrieg beschädigt) tragen seine Handschrift.
Im Jahr 1981 schmückte er die Gewölbe des Chors und des Langhauses mit neuen Fresken.
Schon bei der letzten lnnenrestaurierung im Jahr 1942 ließ der damalige Pfarrer P. Gerards nach Spuren einer Gewölbemalerei suchen, doch vergebens.
Im Langhaus stellt Köberl den zwölfjährigen Jesus im Tempel von Jerusalem neben den Schriftgelehrten dar. Ihnen steht er Rede und Antwort. Er wurde von seinen Eltern das erste
Mal in den Tempel mitgenommen. Bei der Heimreise vermissten sie ihn und suchten ihn drei Tage lang bei Verwandten und Bekannten der Pilgergruppe. Als sie ihn dort nicht fanden,
kehrten sie nach Jerusalem zurück und fanden ihn schließlich im Tempel bei den Lehren. Als sie ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: ,,Kind, warum hast du
uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!“ Er antwortete ihnen: ,,Warum suchtet ihr mich? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines ‚
Vaters ist?“ Doch sie begriffen nicht das Wort, das er zu ihnen sagte. (Luk.2,48-50).
In den Gewölbezwickeln sind die vier Evangelisten mit ihren Attributen und Schriftstellen dargestellt: Lukas mit dem Stier, Markus mit dem Löwen, Matthäus mit einem Engel und
Johannes mit dem Adler. Der Adler symbolisiert in seiner Darstellung auch das Wappentier von Tirol, denn Josef, der Kirchenheilige, ist auch der Landespatron des Landes.
Über der Orgelempore sehen wir die Harfe Davids, ein Sinnbild für die Kirchenmusik.
Das Gewölbefresko des Presbyteriums stellt einen Traum Josefs dar. Josef erfuhr, dass seine Verlobte Maria schwanger war, aber nicht von ihm. Er wollte sich daraufhin heimlich von ihr trennen. ,,Als er darüber nachdachte, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josel Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was gezeugt ist in ihr, stammt vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk erlösen von seinen Sünden.“ (Matth. 1,20-21). Über dem Engel mit der Mondsichel erstrahlt Maria, die gebären soll, von der Sonne umkleidet. Auf einem Schriftblatt stehen die Worte des Engels: ,“Er wird sein Volk erlösen.“
Die Korngarbe links über dem Chorbogen erinnert an den ägyptischen Josef und an Josef von Nazareth als Nährvater Jesu. Das Gegenstück auf der rechten Seite ist die Hostie als Nahrung
für die Gläubigen.
Gleich am Eingang, unter der Empore, steht die Schrift mit der römischen Jahreszahl der Fresken: SVb proteCtIone beatI Ioseph Delparae sponsl InVenIetIs ChrIstVM In eCCLesIa sVa.
(Unter dem Schutz des seligen Josef, des Bräutigams der Gottesmutter, werdet ihr Christus seiner Kirche finden). Die großgeschriebenen Buchstaben nennen das Entstehungsjahr der
Fresken: 1981.
Nach der Innenrestaurierung wurden die alten Kreuzwegstationen nicht mehr aufgehängt. Sie waren billige Papierdrucke und passten nicht mehr in das neu gestaltete Innere der Kirche.
Die Familie Josef Granbichler jun. (Tyrol-Tour) finanzierte die neuen, die auch bei Wolfram Köberl in Auftrag gegeben wurden, damit sie in ihrer Konzeption und warmen Farbgebung zu
den Fresken passen. Köberl lieferte die schönen Tafeln, deren jede für sich ein Kunstwerk ist, im März 1999.
Eine besondere Aufgabe bei der Restaurierung waren der neue Aufgang und die bauliche Sicherung der Empore.
Die Orgel ist ein Werk des bekannten Innsbrucker Orgelbaumeisters Johann Georg Gröber, der Zeit seines Lebens in Tirol und darüber hinaus zahlreiche dieser Instrumente schuf. Er
baute die Obsteiger Orgel im Jahr 1848 und brachte es zustande, die Stimmen der Pfeifen mit der Raumwirkung der Kirche in Einklang zu bringen.Dazu brauchte er nur ein Manuale und
wenige Pedale. Unter dem Pfarrer Gerards wurde 1945/46 das Orgelwerk von der Firma Mayr in Feldkirch umgebaut und ein zweimanualiger Spieltisch mit Blickrichtung zum Altar
errichtet. Die Zahl der Register wurde deutlich erhöht und die Klangwirkung der Orgel verfälscht.
P. Stefan Köll (Pfarrer 1977-86) ließ im Jahr 1984 von der Firma Pirchner in Steinach am Brenner den ursprünglichen Zustand der,,Königin der Musik“ wieder herstellen.
Das Orgelgehäuse ist eine einfache neuromanische Tischlerarbeit.

zusammengestellt von Hubert Stecher

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Quelle: Gemeinde Obsteig

Orginaldokument: Kirche und Pfarre von Obsteig