in Chronik 2004 - 2005

Entstehung:

Die Lärchenwiesen sind von den Obsteiger Bauern als Kulturlandschaft geschaffen worden. Die Betriebsstrukturen waren so ausgelegt, dass zur Zeit der Handarbeit eine normale Familie mit 2 oder 3 Generationen das wirtschaftliche Auskommen fand.

Als früheste landwirtschaftliche Siedlungen sind nach heutigem Wissen und an der alten Feldstruktur nachweisbar, die Anwesen Larchhof, Niwenstift, Baderguet, Nejdegghof wiesen eine arondierte Feldstruktur auf.

In der weiteren Besiedelungsgeschichte mit den Zisterziensern in Stams, eng verbunden ist die weitere Urbarmachung von Obsteig.

So entstanden die Lärchenwiesen als Erweiterung der zu kleinen Hofstellen in den Weilern Wald, Thal und Finsterfiecht. Deswegen sind auch die meisten Lärchenwiesen in der Entstehung diesen Höfen zuzuordnen. Die Aufteilung in Streifen wie in den Walderrieden =( Rodefläche der Walder) und Heachemahder, die mehrheitlich den Finsterfiechtern und Thalern zuzuordnen sind typisch für die Urbarmachung unter Anleitung der Stamser Patres.

Warum Lärchenwiesen?

Die Acker und Wiesenkultur der Obsteiger Bauern hatte ihre größte Arbeitsspitze am Sommeranfang. Die Pflege der Ackerkulturen und der erste Schnitt fielen zusammen.

Eine Arbeitslücke entstand im Juli vor der Getreideernte und genau in diese Zeit fiel die einmalige Mahd in Lärchenwiesen. ( Die Bergmähder der Obsteiger Bauern).

Die Stamser hatten auch den Wert der Lärche als Schindelholz, wiederstandsfähiges Bauholz ( geringer Holzwurmbefall ) und Brennholz mit sehr gutem Heizwert für die Salinen erkannt und so die Lärche favorisiert.

Die größte Wertschätzung fand die Lärche mit dem Eisenbahnbau als Bahnschwellen und der Elektrifizierung als Masten für Stromleitungen.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, mit der beginnenden Mechanisierung wurde das Mähen der Lärchenwiesen wirtschaftlich uninteressant. 

Damit beginnt eigentlich unser heutiges Thema – Lärchenwiesen im Vertragsnaturschutz!

Landschaftschutzgebiet Mieminger Plateau

1975 Landeshauptmann Wallnöfer hat so regelmäßig, wenn er in seinem schwarzen T1 Mercedes über den Holzleithensattel gefahren wurde und wieder einige Lärchen geschlägert waren, beim Bürgermeister von Obsteig angerufen:

„ Und schlagts Ös ietz olle Larch nieder, dös geat it, do muesch eppas tien, enk:re Larch mießn mir unter Naturschutz stellen…………….“

Damals erkannten die führenden Persönlichkeiten in Land, Gemeinde und Tourismus, dass die Lärchenwiesen in ihrer Einmaligkeit, ihrem frischen Grün im Frühling, ihrem Brennen im Herbst und ihrem lichten Schatten im Sommer ein für Gäste und Einheimische unheimlich wertvolles kulturelles Erbe darstellen.

Durch das Auflassen der traditionellen Bewirtschaftung mit der Sense begann der Wald wieder von den Lärchenwiesen Besitz zu ergreifen. Immer mehr Fichten und Föhren begannen in den lichten Lärchenwiesen zu wachsen. In nur 20 Jahren wäre aus den Lärchenwiesen Mischwald geworden.

Naturschutz kam damals nicht in Frage, denn dies hätte ein Walten der Natur vorausgesetzt und wäre genau das Ende der Lärchenwiesen gewesen.

Es musste ein anderer Weg gefunden werden.

Forstfrevel musste zugelassen, ja sogar behördlich vorgeschrieben werden, denn nichts anderes war damals laut Gesetz das Ausreißen von jungen Fichten und Föhren.

Vertragsnaturschutz war ein neuer Begriff – für die Obsteiger Lärchen kreiert.

Landschaftsschutz war die neue Form des Naturschutzes, die eine aktive Erhaltung durch Bewirtschaftung, unseres Kulturgutes Lärchenwiesen möglich und attraktiv machte.

Diese Form des Landschaftsschutzes wurde von den rund 65 Grundeigentümern mit der Naturschutzabteilung des Landes, der Bezirksforstinspektion, dem Ortsbauernrat, der Gemeinde und dem Tourismusverband in mehreren Versammlungen diskutiert und erarbeitet.

1978 Diese erste Version der Richtlinien für den Landschaftsschutz „Lärchenwiesen Obsteig“ war richtungsweisend für die Verordnung des Landes Tirol zur Erhaltung der Lärchenwiesen.

Die Grundpfeiler dieser Richtlinien waren:

  • Freiwilligkeit der Teilnahme
  • Holznutzung und Grasnutzung in den Lärchenwiesen
  • Wiederaufforstung mit Lärchen, um den überalteten Bestand zu verjüngen
  • Keine zusätzlichen Flächen zu roden
  • Selbstverwaltung durch einen örtlichen Lärchenwiesenausschuß

Lärchenwiesenausschuß:

3 Grundeigentümervertreter: Toni Riser, Herbert Ennemoser, Hermann Hosp
1 Gemeindevertreter: BGM Anton Riser

Der Lärchenwiesenausschuß hat die Aufgabe, die Eigentümer zu beraten, einmal jährlich den Pflegezustand der Lärchenwiesen zu überprüfen und die Meldung an das Land Tirol über die ordnungsgemäß bewirtschafteten Flächen zur Förderungsauszahlung einzureichen.

Dieser Vertragsnaturschutz stützt sich auf das Entwicklungsprogramm des Landes Tirol vom 16.Juni 1981und auf die Verordnung des Landes Tirol LGBL Nr. 7 /1982, für das Landschaftsschutzgebiet Mieminger Plateau.

1986 hat Walter Knoflach den Vorsitz des Lärchenwiesenausschusses übernommen.

Wenn ein anfänglicher Kritiker des Landschaftsschutzgedankens nun diese Organisation seit fast 20 Jahren leitet, ist das ein Zeichen, dass eine gute Sache dahintersteht und ein guter Mann vorsteht.

Die Erhaltung und Sanierung der traditionellen Nolpenstadel, die Erhaltung der traditionellen Holzzäune und neuerdings eine Initiative mit dem Psychosozialen Pflegedienst zur Entbuschung der Lärchenwiesen sind neben der alljährlichen Kontrolle und Abrechnung ein Verdienst von Obmann Walter Knoflach.

1992 gab es eine große Aufregung um den Lärchenkrebs am Holzleithensattel. Das Absterben der jungen Lärchen in Massen wurde vorausgesagt und einige Begehungen waren notwendig und Fachexpertisen wurden eingeholt, bis schließlich feststand:

,,Den Lärchenkrebs hat es am Holzleithensattel immer gegeben, und trotzdem sind gepflegte Lärchenbestände entstanden. Für die Zukunft möge darauf geachtet werden, die Lärchen nicht zu eng zu pflanzen und möglichst den krautigen Unterwuchs nicht zu hoch werden zu lassen.“

Wenn ich meinen Großvater nach dem Wert der Heachn gefragt habe, war die Antwort etwa so:

„Unter einem Dach mit larchene Schindeln, mit an larchenen Ast im Ofen, mit a paar „Puurn“ Galtheu und bissle an Geld für Masten und Bahnschwellen lasst sich’s guet lebm.“

Ein Obsteiger Touristiker hat bei einer dieser Versammlungen gesagt, was wir Obsteiger mit einem Schuß LÄRGET im Blut selbstverständlich und immer schon wissen:

„Unsere Lärchen sind einzigartig, im Winter zum  Langlaufen, im Sommer zum Wandern und am schönsten, im Herbst wenn sie brennen. Unsere Lärchenwiesen sind unser größtes touristisches Kapital für die Zukunft.“

Und übrigens mit den Übernamen „Larchgugger“ sind wir unter den Nachbargemeinden am besten bedient und dabei sollen wir das belassen.

Unsere Lärchen sind als einmaliges kulturelles Erbe neben der Burg Klamm als historisches Erbe, in unserem Gemeindewappen verewigt. Dieses Obsteiger Wappen soll nicht nur ein Rückblick in die vergangenen Zeiten sein, sondern mit auch eine Obsteiger Vision in die Zukunft für alle Gemeindebürger.

Nutzen und genießen wir als Gemeindebürger unsere Lärchenwiesen, unsere Landschaft im Wandel der Jahreszeiten als Lebensraum und Erholungsraum für Sommer und Winter.

Nutzen und erhalten wir als Bauern unsere Lärchenwiesen, indem wir sie nachhaltig bewirtschaften. Das Lärchenholz wärmt in der Stube und manchmal auch in der Geldtasche. Lärchenwiesen, mähen und weiden, tragen dazu bei, unseren Lebensraum schön und wirtschaftlich interessant zu erhalten.

Nutzen wir im Tourismus die Eigenartigkeit unserer Lärchenwiesen als Naturattraktion mit der einmaligen Flora und Fauna und als Erholungsangebot für unsere Gäste über das ganze Jahr. Laßt uns gemeinsam stolz sein auf unsere Lärchen in Obsteig und feiern wir ein Fest zu Ehren unserer Lärchen, zu Ehren jener, die diese Kulturlandschaft geschaffen haben , zum Dank an alle, die mithelfen, dieses kulturelle Erbe heute gemeinsam zu erhalten.


Einer unserer Partner für die gemeinsame Erhaltung ist das Land Tirol, mit der Abteilung Umweltschutz.

Ich bitte nun den Vorstand der Abteilung Herrn Hofrat Dr. Liebl ans Mikrofon . Ein paar Worte zur Tätigkeit der Abteilung für unsere Lärchen am Mieminger Plateau .

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Quelle: Gemeinde Obsteig

Orginaldokument: Lärchenwiesen Obsteig