Obsteig verliert seinen bisherigen Pfarrer

 

P. Mag. German Erd war seit 1986 Pfarrer von Obsteig, also 16 Jahre lang. Damit  nimmt  er unter den längsgedienten Seelsorgern unserer Pfarrei den dritten Rang ein. Noch länger  waren hier nur P. Qualbert Thöni (1915-1940) und P. Alberich Svarc (1948-1977).

P. German wurde am 9.5.1948 als Sohn des Pius Erd und der Monika Kieltrunk in Vils geboren. Er besuchte die Volksschule in Vils, die Hauptschule in Reutte und das Gymnasium im Stift Stams. Anschließend absolvierte er 1968-69 das Noviziat in Stams. In Innsbruck machte er das Studium der Theologie und bekam die Priesterweihe am 25.8.1974. Anschließend studierte er in Oxford Anglistik und war dann bis 1982 Regens des Internates in Stams. 1982-1984 bekam er in Salzburg weiteren Unterricht in Anglistik und war in diesem Fach seit 1984 Lehrer im Meinhardinum. Religion und Englisch unterrichtete er ab dort bis heute, obwohl er seit September 1986 auch die Pfarre Obsteig betreute. Ab diesem Herbst ist er nun Direktor des Meinhardinums und kann beide Aufgaben – hier Pfarrer und dort Direktor – nicht mehr bewältigen.

P. German ist uns in den langen Jahren seiner Seelsorgstätigkeit nicht nur ein guter Pfarrer, sondern ein liebgewonnener Lebensbegleiter in vielen menschlichen Belangen geworden.

Er scheute nie den Kontakt zu seinen Pfarrkindern, sondern er suchte sie immer dort auf, wo sie waren. Er nahm an allen Festen und Feierlichkeiten teil, freute sich mit den Glücklichen und nahm Anteil am Schmerz der Trauernden . Viele Kinder Obsteigs hat er getauft, viele Hochzeiten gesegnet und viele Gestorbene beerdigt. Er ist ein aufgeschlossener Mensch bei kirchenkritischen Diskussionen (Empfängnisverhütung, Priesterehe, Frauenweihe), kann gut zuhören und ist ein sehr gut argumentierender Gesprächspartner.

Eine große Sorge ist ihm allerdings der Nachwuchs an Priestern und Brüdern im Stift Stams. P. Gerrnan hat das hervorragend renovierte Widum von Obsteig im Jahr 1991 eingeweiht, er hatte hier einen Platz der Ruhe, des Abschaltens und der Besinnung gehabt und hätte hier auch nach seiner Ernennung zum Direktor des Meinhardinums gerne gewohnt. Ihm (und uns) tat es Leid, dass der Konvent des Klosters anders entschieden hat.

Die Pfarre und die Gemeinde Obsteig haben nun alles aufgeboten, um den beliebten Pfarrer feierlich zu verabschieden. Anlässlich der Mariä-Namen-Prozession am 8. September fanden sich der Großteil der Bevölkerung und alle Vereine zu einem Pfarrfest zusammen.

Es gab etliche Reden und Abschiedsgeschenke. P. German versicherte den Obsteigern, dass er sie stets in seinem Herzen bewahren wird. Er wurde später Abt von Stams.

Einige Fotos sollen die Eindrücke von der Feier zeigen.


Nachstehend die zwei Ansprachen, die die Obfrau des Pfarrgemeinderates, Andrea Grutsch, zur Verabschiedung von P. German und zum Pfarrereinstand von P. Augustin gehalten hat.

Pater German

Abschied als Pfarrer von Obsteig am 8. September 2002 (KONZEPT!)

Liebe Obsteigerinnen und Obsteiger!

Lieber Herr Bürgermeister, lieber Herr Altbürgermeister, sehr geehrte Gäste! Vor allem aber: Lieber Pater German!

Als ich im Frühjahr dieses Jahres zur Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates gewählt wurde, hatte ich keine Ahnung, dass ich hier vor euch stehen werde und nach passenden Worten zum Abschied von Pater German als Pfarrer von Obsteig suchen muss.

Die Nachricht vom Weggang unseres Pfarrers auf Wunsch des Stiftes Stams und von der Neubesetzung unserer Pfarre war eine Überraschung, die uns Ende Juni wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat. Alle Versuche den Abt von Stams, Pater Josef Maria Köll, zum Überdenken dieser Entscheidung zu überzeugen, blieben erfolglos.

Fast auf den Tag genau vor sechzehn Jahren ist Pater German Erd von Stams als Nachfolger des allseits geschätzten Pater Stefan Köll zu uns nach Obsteig gekommen. In diesen sechzehn Jahren haben sich die Gemeinde und auch die Pfarrgemeinde sichtbar verändert. Ich denke dabei an die schwierig gewordene Situation im Fremdenverkehr und in der Landwirtschaft und an die vielen neuen Häuser, die vor allem in der Siedlung, aber auch in den anderen Weilern gebaut wurden. Wir sind – Gott sei Dank – an der Zahl größer geworden. Es ist wohl keine Übertreibung, wenn ich sage, dass heute das Gesicht von Obsteig auch die Züge unseres Pfarrers Pater German trägt.

Wen ich auch immer in den letzten Wochen gefragt habe, was die herausragenden Eigenschaften und „Leistungen“ unseres Pfarrers seien, so war die spontane Antwort: Offenheit, Großzügigkeit und Geselligkeit.

Sehr geehrter Herr Pfarrer, lieber Pater German!

Der von der Gemeinde mit großem Aufwand restaurierte Widum, der zu den Schmuckstücken des Ortes gehört, war durch dich für viele offen: für die Ministranten,  für die Mutter-Kind Gruppen, für geselliges Zusammensitzen nach Gottesdiensten – zum Beispiel nach den Roratemessen im Advent, für Musikgruppen – auch für solche, die mit der Pfarre nicht unmittelbar zu tun hatten und für Feiern verschiedenster Art. Nicht der automatische Türschließer war das Symbol des Pfarrhauses, sondern der hinter der Tür liegende Keil, der die Türe weit offen halten kann und offen gehalten hat.

Offen warst du für neue Ideen und Initiativen. Ich erwähne beispielsweise den nicht gelungenen Versuch, durch geänderte Gottesdienstzeiten mehr Leute zur Sonntagsmesse zu bewegen und ich denke an die gelungenen Familiengottesdienste, die für viele junge Erwachsene und für Kinder den Zugang zur Pfarre eröffnet und gefestigt haben.

Aufbauend auf das, was Pater Stefan grundgelegt hat, wurde der von dir geförderte Kirchenchor St.Josef zu einem weit über die Pfarre und das Plateau hinaus bekannten Klangkörper mit hohem Niveau: Viele Konzerte  und die Übertragung eines Gottesdienstes im Österreichischen Rundfunk sind Beispiele dafür.

Offen warst du auch in zahlreichen Gesprächen: Jede und jeder konnte mit ihren und seinen Anliegen und Sorgen zu dir kommen. Du hattest ein offenes Ohr und ein wachsames Auge für das, was die Leute bewegt.

Ein besonderes Anliegen war dir eine würdevolle  Gestaltung der Gottesdienstebesonders zu hohen Feiertagen. Die Bedeutung der Musik habe ich schon erwähnt. In den Predigten wurden die biblischen Texte ausgelegt und mit Ereignissen unserer Zeit verknüpft. Deine Worte waren aktuell und  spontan.  Einen  Pater  German  in  Hochform  zu  hören,  war  ein Genuss. Du hast es offen gesagt, wenn du dich über den „überraschend“ guten Messbesuch gefreut hast, aber du hast es auch nicht verborgen, wenn dich die halbleere oder fast  leere Kirche traurig stimmte und zum scheinbaren Misserfolg wurde. Und trotzdem: Du hast nie aufgegeben, sondern immer wieder und unermüdlich neu angefangen.

Großzügigkeit ist ein anderer deiner Wesenszüge, die  deine  Mitarbeiterinnen  und Mitarbeiter   schätzten  durften.  Ich  nenne  hier  als  Beispiel die Ministrantinnen und Ministranten, die von dir mit Süßigkeiten, mit lobenden Worten und großzügigen Ausflügen bedankt wurden. Das wird den Kindern für das ganze Leben in bester Erinnerung bleiben.

Zu allen Vereinen hast du stets guten Kontakt gepflegt.  Du warst bei den Versammlungen und Festen dabei und aufgeschlossen für ein Gespräch – wenn es sich so ergeben hat auch bei einem „Stamperl“ , einem Bier oder einem Glas Wein. Du hast deine Meinung gesagt, wenn du es für angebracht hieltest. Eines deiner mahnenden Worte war: ,,Ich komme zu euch, obwohl oder weil ihr nicht zu mir in den Gottesdienst  kommt“ .  Du hast es in feiner aber unmissverständlichen Weise zum Ausdruck gebracht, wenn dir etwas gegen den Strich gegangen ist, etwa bei Kollisionen von Veranstaltungen mit den Gottesdienstzeiten.

Deinen Fünfziger hast du nicht nur alleine oder im Freundeskreis, sondern mit uns allen  gefeiert. In besonderer Erinnerung ist dein silbernes Priesterjubiläum vor drei Jahren. Damals hat Brigitte Thurner als Vorsitzende des Pfarrgemeinderates folgendes sehr treffend zu uns und über dich gesagt: „Feiern ist ein wichtiger Teil in unserem Leben und etwas zutiefst Christliches. Und alle wissen es, unser Pfarrer versteht es, zu feiern, bei ,,Festeln“ und Festen. Fünfundzwanzig Jahre Priestersein bedeutet aber nicht nur feiern. Es heißt fünfundzwanzig Kirchenjahre zu begehen, zirka zehntausend Messen zu lesen, ungefähr tausend Kinder zu taufen, hunderte Brautpaare zu trauen, ungezählte Stunden im Gespräch zu verbringen, viele Menschen in traurigen Stunden zu begleiten, an Sitzungen teilzunehmen und zu leiten und vieles, vieles mehr“ .

Wir haben in den pfarrlichen Amtsschriften nachgesehen: Du hast in den sechzehn Jahren als unser Seelsorger 216 Kinder in der Pfarrkirche getauft, 65 Paare haben vor dir die Ehe geschlossen und für 89 Mitbürger hast du den Sterbegottesdienst gehalten. Hinter diesen Zahlen stehen Lebensgeschichten vieler Obsteigerinnen und Obsteiger, an denen du Anteil genommen hast. Wie sehr dir diese Lebenswenden und die Leute ein Herzensanliegen waren, zeigen die wohl überlegten, sehr treffenden und persönlichen Worte und Ansprachen zu diesen für einen jeden von uns besondere Anlässe.

Freilich soll hier auch erwähnt werden, dass auf deine Initiative durch einen Kirchturm , der nicht auf einer Seite schwarz ist, wie du es auszudrücken pflegtest, das Ortsbild wirklich verschönert wurde. Den Skeptikern hast du bei diesem von Hindernissen begleiteten Projekt entgegengehalten , dass der Anblick der Kirche, wenn man aus Richtung Außerfem komme, für dich kaum erträglich sei und im übrigen im Außerfem an allen Türmen der Verputz erfolgreich dem Regen und der Witterung trotze.

Mit humorvollem Schmunzeln sehen wir die sportlichen Aktivitäten unseres Pfarrers: Die Langlaufschi und ein  Fahrrad  wurden   bis  heute  geschont,   zu  den  allseits  beliebten Bergmessen waren keine Wanderschuhe nötig. Das kann sich nun im ebenen Tale in Stams ändern.

Wir wünschen dir, verehrter Herr Pfarrer, lieber Pater German für deine neue große Aufgabe alles Gute. Wir danken für alles, was du mit uns und für uns getan hast: Für jeden guten Rat, für jede Geste des Dankes und der Anerkennung, für jedes tröstende und aufrichtende Wort, für allen Segen und für jedes „Vater unser“ und „Ave Maria“, das du mit uns und für uns gebetet hast. Wir danken für alle  Offenheit,  Großzügigkeit  und  Geselligkeit,  die  du  als Mensch und Priester gelebt und vorgelebt hast.

Mit einem „Vergelt’s Gott“ und „Pfiat  Gott“ wünschen  wir dir für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen. Bei aller Wehmut zum Abschied dürfen wir stolz sein, dass du sechzehn Jahre unser Pfarrer gewesen bist!

Andrea Grutsch

 


 

Begrüßung von Pater Augustin Neumüller als Pfarrer von Obsteig am 14. September 2002

 

Liebe Pfarrbevölkerung!

Nach dem bewegenden Abschied von Pater German am vergangenen Sonntag darf ich heute Pater Augustin Neumüller als unseren neuen Pfarrer herzlich willkommen heißen. Hofrat Pater Augustin Neumüller war zuletzt durch viele Jahre Direktor des Gymnasiums Meinhardinum in Stams. Zuvor war Pater Augustin sieben Jahre Pfarrer in Sautens.

Pater Augustin fügt sich nun in die Reihe der überaus geschätzten Zisterzienserpatres von Stams, die bisher bei uns in Obsteig Seelsorger waren: Pater Alberich  Gerards während  des Krieges und dem Krieg, Pater Alberich Svarc, der hier im Friedhof begraben ist, Pater Stefan Köll und Pater German Erd. Jede dieser Priesterpersönlichkeiten war mit größtem Einsatz zum Wohle der Obsteigerinnen und Obsteiger tätig und hat unsere Pfarre auf verschiedene und  jeweils eigene Weise geprägt.

Obsteig ist eine Gemeinde mit zahlreichen  Weilern, wobei jede dieser kleinen  Ortschaften ihre Eigenheiten hat. So bunt sind wir auch, was das pfarrliche Interesse betrifft: Es gibt Leute, die sich wenig um die Anliegen eines Pfarrers kümmern, es gibt viele, die zu den „heiligen Zeiten“ und in Notfällen den Pfarrer brauchen und schätzen, und es gibt eine nicht zu unterschätzende Zahl von Menschen, die zur Mitarbeit bereit ist, wenn sie gerufen wird.

Ein „leichtes Volk“ sind wir Obsteiger nicht: Da kann die Kirche trotz aller Einladungen halbleer und dann wieder überraschender Weise ganz voll sein, davon würde Pater German, Ihr Vorgänger bei uns und Ihr Nachfolger als Direktor im Meinhardinum , ein Lied singen können. lm Grunde aber ist den allermeisten Bewohnern unseres schönen Dorfes ein großes Anliegen, dass ein Pfarrer im Ort ist.

Wir begrüßen Sie herzlich bei uns und hoffen  auf ein gutes Miteinander!  Wie Sie wahrscheinlich gehört haben, sind wir auch etwas verwöhnt, was die Zusammenarbeit betrifft: Wir haben uns an den bei Bedarf für viele offenen Widum gewöhnt. Es war eindrucksvoll, wie sich unsere bisherigen Pfarrer um alle Gruppen und Vereine im Ort angenommen haben . Wir haben das offene Wort im Alltag, die engagierten Predigten, die Anwesenheit bei verschiedenen Veranstaltungen sowie das geistliche Wort „in guten und in schlechten Tagen“ schätzen gelernt.

Wir sind überzeugt, dass wir uns mit Ihnen als unseren neuen Pfarrer gut zusammenreden und wie es im Leben häufig ist, notfalls auch „zusammenraufen“ werden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute bei uns und mit uns und wir sind froh und dankbar, dass Sie da sind: für uns und mit uns!

 

Andrea Grutsch

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Quelle: Gemeinde Obsteig

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