Zur Geschichte der Klammer Mühle

Eine Mühle gehörte wohl schon seit Anfang an zur Burg Klamm. ( Landesfürstliches Urbar 1288 „ bi der burch clam eine muehle „) Weiters ist sie, soweit bis jetzt bekannt ist, erst um 1575 erwähnt, als der Pfleger Christoph Frech bei einer Reparatur der Burg sich bereit erklärt, die Bretter kostenlos von der Sägemühle zum Schloss zu befördern. ,, Die ursprünglich zur Burg gehörende Mahl- und Sägemühle stand etwa 300m westlich vom Wirtschaftsgebäude am Sturlbach und ist heute nur noch in einigen Mauerresten erkennbar. “ (Siegfried Krezdorn „ Burg Klamm in TJrol „, Sehlernschrift 268, Ibk.1979).

Tatsächlich findet man noch Mauern und man kann den Verlauf des einstigen Mühlkanals noch gut verfolgen.

Zur Mühle gehörte auch die kleine Kapelle im „Müllerfeld“, das noch vor 15 Jahren ein Feld war und dann aufgeforstet wurde. Diese Kapelle steht auf der gleichen Höhe wie die alte Mühle, aber jenseits des Sturlbaches.

Sie hat eine eigene Parzellennummer und gehört nicht zu dem sie umgebenden Grundstück, sondern ist Eigentum des jeweiligen Besitzers der Klammer Mühle. Wann die alte Mühle verlassen wurde, ist dem Chronisten jetzt noch nicht bekannt. Im Giebel des stattlichen neuen Hauses sieht man ein stilisiertes Mühlrad und die Anfangsbuchstaben A(nton) R(uepp) sowie die Jahreszahl 1650.

Doch diese Zahl hängt mit der Übersiedlung wohl nicht zusammen, eher mit einem Aus­ oder Umbau.

Warum ist man überhaupt übersiedelt? Dies kann mit einer Ablösung der Mühle von der Burg und Verselbständigung des Müllers zusammenhängen. Der Platz für einen eigenen Wirtschaftsbetrieb war an der alten Stelle nun nicht mehr günstig, daher wollte der Müller vielleicht näher zum Dorf, die frühere Durchzugsstraße ging auch direkt an der Mühle vorbei. Die „Müllers Kapelle“ am alten Standort trägt zwei-drei Jahreszahlen und Namenszüge auf dem alten Mörtel , die an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert angesiedelt sind, eine davon ist 1693. Gab es da die alte Mühle noch?

Fragen stellen sich hier, die man durch weitere Suche vielleicht klären können wird. Zur jetzigen Klammer Mühle gehörte auch wieder ein Sägewerk, das Mitteilungen älterer Obsteiger nach in ihrer Kindheit noch in Betrieb war. Es stand etwas tiefer am Bach als die Kornmühle, Reste sind keine mehr vorhanden.

Der Sturlbach wird sie weggeschwemmt haben. ,,Sturlen“ ist althochdeutsch und heißt so viel wie „rumpeln, tosen“ und er macht seinem Namen immer Ehre.

Die Wasserversorgung bekam die Mühle erstens aus dem Sturlbach, zweitens aus einem kleinen Weiher, der am Weg von Thal zur Walder Straße liegt, und zwar knapp südlich des Zusammentreffens beider Wege. Heute ist dieser Teich ziemlich verlandet, er wird nicht mehr gebraucht. Der Wasserkanal aus dem Sturlbach zur Mühle wurde durch den neuen Besitzer wieder revitalisiert, alles in Beton.

Einige Zeit lang (zumindest um die Jahrhundertwende) war in der Klammer Mühle auch eine Bäckerei untergebracht. Die Mühle war Mitteilungen zufolge bis nach dem zweiten Weltkrieg intakt und wurde dann aufgelassen. Der letzte Müller war Albert Schletterer (+ 1994).

Die ersten namentlich erfassbaren Klammüller sind M Gritsch als Braut des Georg Praxmarar aus Silz am 26.7.1708 im Trauungsbuch der Pfarre Untermieming und Michael Gritsch am 4.10.1712 im Taufbuch als Vater der Ursula Gritsch. Der Vater der M Gritsch war Josef Gritsch, ebenso Klammüller.

Am 20.10.1722 ist eine Gertrud Seng als Klammüllerin Patin der Ursula Hosp aus Wald. Am 30.10.1741 gibt es einen Michael Gritsch als Vater der Braut Anna, die den Elias Mesmer aus Gschwent heiratet, als Müller. Am 14.10.1749 tritt uns Thomas Gritsch als Vater des Gallus Gritsch und als Klammüller entgegen , 1754 und 1758 noch zweimal. Dann am 2.2.1764 ist Anton Paulsteiner Klammüller und Vater eines Blasius.

Dass am 14.8.1781 Gallus Gritsch wieder im Taufbuch Untermieming auftaucht, aber diesmal als Klammüller und Vater einer Tochter Maria,lässt am ehesten darauf schließen, dass die Gritsch Besitzer der Mühle geblieben sind und diese bis zum Großwerden des Gallus nur verpachtet hatten. Dies ist aber nur eine Vermutung. Am 14.1.1783 und am 16.3.1785 taucht er wieder im Taufbuch auf Aber schon am 16.4.1776 war ein Thomas Gritsch Vater der Braut Brigitta, die den Josef Kuen von Wald heiratete, und auch er ist als Klammüller angeführt. Vielleicht ist er ein Bruder des Gallus Gritsch.

Die Frage ist: Warum wurde in den Tauf- und Trauungsbüchern der Beruf „Klammüller“ immer besonders hervorgehoben? Andere Berufe werden in den Untermieminger Matriken fast nie, und wenn, nie so häufig vermerkt. Es gibt zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass die Klammüller ein bisschen ausgeschiedene, asoziale Menschen waren, und die andere, dass sie aus der „normalen“ Bevölkerung ein wenig herausstanden. Wobei ich mir eher die zweite Variante vorstellen kann, denn die Müller waren damals ein wichtiger Berufszweig und dem Aussehen des heutigen Hauses entsprechend, ein nicht armer.

Weitere Hinweise finden wir im Haus- und Familienbuch Obsteig: Bis 1862 war die Familie Ruepp auf der Mühle, sie verzog in diesem Jahr nach Bischofshofen. Den Betrieb führte ab Martini 1867 Josef Thaler aus Wald weiter und im Winter 1874 kaufte Johann Georg Schletterer aus Lähn im Außerfern nach einem kurzen Zwischenbesitz durch Johann Scharmer (Wald) die Mühle. Ab dort blieb sie bis zum Verkauf an Ing. Haisjackl im Familienbesitz.

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Quelle: Gemeinde Obsteig

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