in Chronik 1987

Auf der Erde nehmen nun abnormale Wettererscheinungen in vermehrtem Maße zu. Anhaltende Dürreperioden, ungewöhnliche Hitze- oder Kältewellen, chaotische Schneeverhältnisse und katastrophale Regenfälle werden immer häufiger. Das bisherige klimatische Gleichgewicht scheint ernstlich gestört.

Die Schuld an solchen Ausnahmeerscheinungen werden von Wissenschaftlern und vom Club of Rome mit einem zunehmenden Ozonloch über den beiden Polen und mit dem übermäßigen Raubbau an den Regenwäldern – vor allem in Brasilien – begründet. Beiden Ursachen könnte man Einhalt gebieten: Der „Treibhaus-Effekt“ könnte mit der Verringerung der Kohlenmonoxyde und dem strikten Verbot von
Treibgasen in Spraydosen verringert werden, der Abbau des Amazonaswaldes durch die Brasilianer müßte eingestellt werden. Den Schmelzvorgang an den Polkappen könnte man stoppen, und wenn dies nicht gelingt, werden die Weltmeere enorm steigen und die gesamte Uferlandschaft der Erde wird derart drastisch verändert, daß tausende Hafenorte im Salzwasser versinken. Aber auch unsere mitteleuropäische Landschaft könnte zu versteppen beginnen.

Das Jahr 1987 brachte weltpolitisch einen bisher nicht für möglich gehaltenen  freundschaftlichen Kontakt zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR.  Die Spitzenpolitiker Reagan und Gorbatschow trafen sich mehrmals zu Kontaktge­sprächen und vereinbarten den beiderseitigen Abbau ganzer Waffensysteme. Detaillierte Pläne werden folgen. Im übrigen begann Gorbatschow unter den Schlagworten „Glasnost“ und „Perestroika“ eine markante Änderung der sowjetischen Innenpolitik. Mehr Rede- und Pressefreiheit, wirtschaftlicher Aufschwung, Anzeichen von Möglichkeit privaten Landbesitzes, mehr nationalistische Rechte der einzelnen Völker, Entlassung von Regimekritikern aus den Gefängnissen und Arbeitslagern begannen langsam Wirklich­keit zu werden.

Der Golfkrieg zwischen dem Iran und dem Irak eskalierte weiter. Nun wurden auch vermehrt chemische Waffen eingesetzt. Militär und Zivilbevölkerung wurden in west­liche Kliniken geflogen, wo Verletzungen durch Senfgas u.ä. festgestellt und behandelt wurden. Der Krieg im Libanon dauert nun schon 12 Jahre. Bisher gab es 120.000 Tote und 1 Mio. Flüchtlinge. Die Immunschwächekrankheit AIDS nahm weiter zu. Großbritannien und Bayern sperrten die Grenzen für AIDS-Verdächtige. Die Zahl der AIDS-Kranken in Tirol und Österreich stieg an.

In Österreich wurde die Diskussion die Einsetzung der Draken Abfangjäger, die veraltet aus Schweden gekauft wurden, zu einem innenpolitischen Problem. Verteidigungsminister Lichal nannte die beiden steirischen Flugplätze Zeltweg und Graz als Heimatflughäfen für die Draken. Die steirischen Politiker, allen voran LH Krainer, protestieren stark dagegen und drohten aus der Bundes-ÖVP auszutreten und eine eigene Landespartei nach dem deutschen Muster CDU/CSU zu gründen.

In Wien wurde das Konferenzzentrum, gegen das 1,4 Mio. Österreicher protestiert hatten, eröffnet. Außenminister Dr. Alois Mock beginnt, erste Kontakte mit der EG über einen möglichen österreichischen Beitritt zu knüpfen. Die SPÖ ist vorerst dagegen. Eine internationale Historikerkommission unter dem Schweizer Dr. Kurz soll die politische Vergangenheit unseres Bundespräsidenten Dr. Waldheim klären. Ihm wird vorgeworfen, während des 2. Weltkrieges auf dem Balkan in NAZI – Verbrechen verwickelt gewesen zu sein. Deshalb setzten die USA ihn auf die sogenannte „Watch-List“ und erklärten ihn als „unerwünschte Person“.

In Kärnten wird der dortige Landeshauptmann Wagner von einem Hauptschullehrer angeschossen und lebensgefährlich verletzt.
Das Land Tirol leidet irrmer stärker unter dem Transit der EG. Immer offener wird von der Bevölkerung, aber nun auch von Politikern dagegen protestiert.

Es werden ernstliche Gegenmaßnahmen erwogen, was die BRD zu massiven Drohungen wirtschaftlicher Art bewegt. Auch in Obsteig wird der Durchzugsverkehr für die Anrainer zu einer unerträglichen Plage. Zimmer an der Straße zu vermieten, wird fast unmöglich.
Erstmals wird die Möglichkeit eines Brennerbasistunnels deutlich artikuliert, um den Transitverkehr auf die Schiene zu bringen. In Roppen wird der Autobahntunnel Roppen-Imst mit der Tunnelpatin Frau Partl angestochen.

Ein Drittel der Tiroler Bäume sind umweltgeschädigt. Der Anteil der Tiroler Bergbauern an den gesamtösterreichischen beträgt mit 17.516 86 Prozent.

Landeshauptmann ÖR Eduard Wallnöfer erkrankt schwer und muß für zwei Monate in die Innsbrucker Klinik. Ihn vertritt LHStv. Dr. Fritz Prior. Die Frau Wallnöfers, Luise, stirbt am 2. August im 75. Lebensjahr.

Am 5. März wird ein neuer Landeshauptmann gewählt. Es ist dies der Gemeinde­referent Dr. Alois Partl. Wahlergebnis : 24 von 36 Stimmen. Partl stammt aus Kematen und wohnt in Lans. Nun kommt Hermann Ennemoser als Landwirtschafts- und Umweltreferent in die Landesregierung. Er stammt aus Finsterfiecht.

P. Wolfgang Riser (Alois), Servitenpater und Pfarrer in Viehhausen, der vom „Schalper“ in Unterstraß stammte, ist am 21. Jänner nach längerer Krankheit, aber plötzlich mitten aus der Arbeit vom Herrgott heimberufen worden. Er war 51 Jahre alt und konnte im Vorjahr sein Silbernes Priesterjubiläum feiern. Ein kleiner Ausschuß von Gemeinderäten, Kirchenräten und Pfarrgemeinderäten faßte den Grundsatzbeschluß, den alten Widum zu renovieren, falls die Mauer­feuchtigkeit gestoppt werden kann. Am 22.3. fand wieder eine Pfarrgemeinderats­wahl statt, es gab einige Wechsel. Im Herbst wurde das alte Turmkreuz abgenommen und bei herrlichem Wetter ein neues, vergoldetes gesetzt. Auch auf dem Gebiet des Fußballsportes gab es eine Änderung: Am 15. März schlossen sich die beiden Vereine Obsteig und Mieming zu einem zusammen. Obmann wurde Ernst Enne­moser. Im Herbst wurde das alte Vereinshäuschen abgerissen. Es wird ein neues gebaut.

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Quelle: Gemeinde Obsteig

Orginaldokument: Jahresübersicht 1987